840 Seiten (ca. 1,5 kg) Mode

Gestern stand auf meinem Briefkasten die September-Ausgabe der U.S. Vogue. Sie stand drauf, weil sie nicht reinpasste. Denn sie hat (und das kommt jetzt nicht mehr als große Überraschung) einen Umfang von 840 Seiten, ist 3 cm dick und wiegt, gemäß einem inoffiziellen Gewichtsvergleich mit einer 1,5l-Aldiwasserflasche (ja, das ist die Post-Postmoderne, wie sie leibt und lebt, Aldi und Vogue) ca. 1,5 kg. Das ist ein ziemlicher Haufen Mode. Und vor allem Modeanzeigen. Hunderte mehr oder weniger grandioser Fotos (der Trend geht dabei ganz offensichtlich in Richtung schwarz und schattig) und Tausende Taschen, Schuhe, Jacken, Mäntel, Kleider, Strümpfe, Wäsche, Röcke, Hosen, Roben, Blusen und anderer Kleidungsstücke und Accessoires.

Texte von Textferry.de

Das Schöne an der Vogue und der Grund, weshalb sie anders als andere blöde Frauenzeitschriften überhaupt keine schlechte Laune und Minderwertigkeitsgefühle verursacht, ist, dass sie erstens eben keine Frauenzeitschrift ist, sondern eine Modezeitschrift. Und zweitens (eine direkte Folge von erstens), dass sie überhaupt nicht vorgibt, dass die Leserin so sein könnte und sollte, wie die ganzen Models, Supermodels, Schauspielerinnen und/oder Society Ladies, die die ganzen schönen Klamotten anhaben.
Nein, die Welt der Vogue ist ein Paralleluniversum, eine Kunstwelt. Natürlich kann ich als Leserin (leider nur theoretisch) ebenfalls unglaublich reich und einflussreich sein oder werden, aber ich muss dazu nicht automatisch wunderschön sein.
Reich reicht.
Und wenn ich nicht reich bin, macht das auch nichts. Die (U.S.) Vogue belästigt ihre Leserinnen nicht mit Diättipps oder anderen öden Rezepten, Flirt-Tests oder strunzlangweiligen Bilderstrecken Anti-Cellulite-Training vorturnender Models. Das wäre viel zu distanzlos, und das würde sich die meist über-30-jährige Leserin vermutlich auch verbitten. Und deswegen ist die Vogue cool. Dekadent, nicht unbedingt weltverbessernd, aber cool.