impressum       textferry.de

To Do or Not to Do

Wie sich die Dinge erledigen (lassen)

Leider müssen die meisten Menschen und ganz besonders Freelancer immer wieder alle möglichen, sehr unterschiedlichen Dinge tun, um Katastrophen wie Verhungern, Vereinsamung, Finanzamtspfändungen und Kundenverlust abzuwehren. Wir müssen Aufträge erledigen, Rechnungen schreiben, Rechnungen bezahlen, Buchhaltung & Steuererklärungen machen, vorbereiten oder delegieren, Kunden anrufen, Angebote schreiben, Anfragen beantworten und vieles, vieles mehr.

Texte von Textferry.de

Da verliert man schon leicht mal den Überblick. Oder befürchtet das zumindest. Gepackt von einer solchen Angst habe ich mir neulich die Produktivitätsbibel Getting Things Done (deutsch: Wie ich die Dinge geregelt kriege) von David Allen gekauft. Das Grundprinzip der GTD-Methode lautet:
- alles an einem verlässlichen Ort aufschreiben, um es nicht im Kopf behalten zu müssen.
- “machbare” Aktionsschritte notieren (also nicht “Weltherrschaft an mich reißen”, sondern lieber “Nachbars Katze füttern”, was dann später zu Aktionsschritten wie “Nachbarn um Unterstützung bei Gemeindewahlkandidatur bitten” und von da irgendwann zur Weltherrschaft führen kann).

Allen geht dabei noch viel weiter und fordert seine Leser dazu auf, wirklich jedes noch nicht bearbeitete Projekt (Keller aufräumen, Bootsführerschein machen etc.) zu notieren, evtl. zu verwerfen oder eben in machbare Handlungen zu unterteilen, aber das erschien mir so anstrengend, dass ich die Lektüre vorzeitig abgebrochen habe.

Und doch: Das Prinzip des “Alles-Aufschreibens” hat sich im Alltag als äußerst nützlich erwiesen. Dinge aufzuschreiben, die man tun will, ist natürlich keine besonders bahnbrechende und nie-vorher-dagewesene Idee. Was für mich den großen Unterschied gemacht hat, war zweierlei:

Erstens: Die Konsequenz, mit der ich seither Sachen, die ich erledigen muss, aufschreibe und danach bewusst aus meinen Gedanken verbanne (der Bann sollte allerdings nicht soweit gehen, dass man nie wieder auf die Notizen guckt)

Zweitens habe ich das Ganze zum Anlass genommen, mir ein schönes neues (wenn auch eigentlich hoffnungslos überaltetes, weil relativ multitaskingunfähiges) Gadget zu kaufen: den Palm Z22. Der ist genau das, was ich nie haben wollte, weil ich die Haptik von Notizbüchern mag und eigentlich digitalen Geräten nur bedingt traue.

Texte von Textferry.de

Aber der Palm hat doch einen ganz entscheidenden Vorteile gegenüber den vielen schönen Notizbüchern, die sich im Laufe der Zeit angesammelt haben:

Ich kann alle Informationen verschieben (Termine, Deadlines), verändern, löschen etc. und es sieht immer alles gleichermaßen übersichtlich aus. Beim Notizbuch hatte ich immer das Problem, dass alles immer wirrer wurde - jedes Durchstreichen, Abhaken, jeder Pfeil auf einen anderen Termin und jede Korrektur war nur noch eine zusätzliche Information und damit der Kopfentmüllung nicht gerade zuträglich.

Und für die Haptik gibt es beim bereits mehrmals angepriesenen Futteralhersteller Raedan die passende Hülle aus Leder, Kunstleder, Cord, Filz oder Plüsch.

Insgesamt sind diese ganzen Listen und vor allem das Konzept des “Selbstmanagement” natürlich etwas bekloppt. Man versucht, sich selbst zu betuppen und ein bisschen zu versklaven, sich kleine Hürden aufzustellen, über die man brav drüberhoppelt und sich dann gut fühlt.  Aber irgendwie muss man die Dinge ja mal erledigen. Zumindest die, bei denen das nicht von selbst passiert.

Großes Foto: istockphoto

Julia Ritter in am 25. Oktober 2007
Permalink

  1. “Allen geht dabei noch viel weiter und fordert seine Leser dazu auf, wirklich jedes noch nicht bearbeitete Projekt (Keller aufräumen, Bootsführerschein machen etc.) zu notieren, evtl. zu verwerfen oder eben in machbare Handlungen zu unterteilen” - du wirst es nicht glauben, aber als ich das las, dachte ich gerade - oh Gott - und das macht sie jetzt??? Wow!! Was müsste ich da alles aufschreiben: In Sekundenbruchteilen huschte der rest meines Lebens vor meinem geistigen Auge vorbei und mir wurde schon vom Zuschauen schwindelig ... Umso lauter habe ich über den darauffolgenden Satz gelacht!! Sehr schöner Beitrag, danke!

    antje  on  10/28  at  09:11 PM
  2. Liebe Jule, so ein Mist. Was soll ich dir denn jetzt schenken, wo du keine Notizbücher mehr brauchst (da fällt mir ein, ich bin noch ein Geburtstagsgeschenk im Rückstand)? Ah, genau, du hast ja diesen Link angegeben und ich werde mich vertrauensvoll an den Futteralhersteller wenden. Übrigens schreib ich auch immer alles auf, und meist auf irgendwelche kleinen Zettelchen, die ich unterwegs gerade dabei hab. Stimmt, ist immer schön entlastet und entmüllt im Kopf, aber auf dem Schreibtisch sedimentieren die krakelig beschrifteten (Neigetechnik der DB bietet noch Verbesserungspotential) Schnipsel und to-do-Listen seit Jahren vor sich hin und ergeben ein recht interessantes Panorama, da ich sie immer möglichst weit an den Rand schiebe, um noch dran arbeiten zu können. Meiner Meinung nach vermehren sie sich mittlerweile auch ohne mein Zutun.
    Herzlichst, Martina
    PS Hast du eigentlich meine Postkarte im Okt bekommen (dieses Jahr, meine ich)?

    Tine A. aus B.  on  12/06  at  01:11 AM
Kommentieren in diesem Channel-Eintrag nicht möglich