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“Surferboy” jetzt bei mare

Texte von Textferry.de

Im aktuellen Frühjahrsprogramm des schönen mareverlag gibt es jetzt wieder Kevin McAleers Surferboy - ein Roman über das Erwachsenwerden und das Surfen. Mit Surfglossar! Und übersetzt von mir! Die Übersetzung hat unter anderem deshalb viel Spaß gemacht, weil ich den Autor kennen gelernt habe und er mir schwer zu beschreibende Surfmanöver sozusagen im Trockendock vorführen konnte. Er kann nämlich wirklich surfen, und das merkt man dem Buch auch an.
Am 15. April (das ist schon übermorgen!) gibt es im Amerikazentrum Hamburg eine Lesung, die sicher lustig wird. Dann können die sturmfluterprobten Hamburger mal von richtigen Wellen träumen ...


Julia Ritter in • Arbeit am 13. April 2015
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OfficePods: die neuen Bohnenschoten

Eine der für meine jungen, noch unverdorbenen Sehgewohnheiten gruseligsten Filmschlussszenen war die des 1978er Remake von Invasion of the Body Snatchers (etwas krude übersetzt als “Die Körperfresser kommen”) mit dem sexiest man alive* Donald Sutherland. Das sah so aus:

und ich gebe zu, dass Mr. Sutherland hier weder optisch noch akustisch besonders sexy wirkt. Aber er ist ja auch nicht er selbst, sondern (Achtung, Spoiler!) Außerirdische haben seinen Körper übernommen.

Darum geht es nämlich in dem Film: Fiese Außerirdische eignen sich die Körper redlicher Erdbewohner an und machen aus ihnen abgestumpfte Arbeitsdrohnen. Warum, weiß ich nicht mehr; die Wege der Herren Alien sind unergründlich. Jedenfalls wachsen diese Außerirdischen in großen, ekligen Bohnenschoten heran, was ihnen auch den Namen “Pod People” eingetragen hat.

Texte von Textferry.de
Links im Bild: Bohnenschote anno 1956 (Bild aus dem Originalfilm)

Heute, 21 Jahre und eine große Wirtschaftskrise später, hat man den Bohnenschoten-Prototyp weit hinter sich gelassen. Die schleimigen, blättrigen Gewächse wurden durch eine Art Arbeitszelle ersetzt, die Arbeitgeber ihren Arbeitnehmern zur Verfügung stellen sollen, damit diese schön zuhause in ihrem Garten (falls vorhanden) oder unter irgendeiner Brücke arbeiten können und nicht wertvolle Unternehmensressourcen wie Strom, Frischluft (haha, ich meine natürlich klimatisierte Büroluft) und Klopapier verschwenden. Und das Tag und Nacht:

Texte von Textferry.de

Texte von Textferry.de

Der Hersteller dieser wunderschönen Isohaftzellen preist sie an als “work environment that is separate from the disruptions of home life”. Das “home” hätten sie auch weglassen können, denn eigentlich heißt das wohl: Die Arbeitsdrohne soll schön in der Zelle sitzen und bloß nicht zwischendurch Spaß mit anderen Dingen haben.

Lassen wir uns durch das schicke Aussehen nicht täuschen: Bohnenschote bleibt Bohnenschote.

* Donald Sutherland ist definitiv einer der bestaussehenden und großartigsten Schauspieler überhaupt. Auch in alt. Bei seinen Filmen kann man außerdem immer davon ausgehen, dass sie entweder total beknackt oder wirklich gut sind.


Julia Ritter in • ArbeitKultur am 27. Mai 2009
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Words of Wisdom

Texte von Textferry.de

“The trouble with the rat race is that even if you win, you’re still a rat.”

Lily Tomlin (witzig und weise, wenn auch mit nerviger Musik auf ihrer Website)


Julia Ritter in • AlltagArbeitKultur am 06. November 2008
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Kreativität als Industrie

Werber und alle, die irgendwie dazu gehören, bezeichnen sich gerne, oft, nachdrücklich und laut als “kreativ”. Das ist sonderbar, wenn man bedenkt, dass Maler (die mit der Kunst, nicht die Anstreicher), Schriftsteller, Komponisten, Bildhauer, Choreographen und sonstige Künstler eher selten über ihre eigene Kreativität schwadronieren. Man stelle sich nur eine Kunstausstellung vor, die als “Der Gipfel der Kreativität” angekündigt wird - das war der Slogan der ADC-Ausstellung, und ich bin todsicher, dass der nicht ironisch gemeint war.

Was bringt “die Kreativen” dazu, sich so zwanghaft als “Kreative” darzustellen? Klar, Kreativität ist was Feines, und wer kreativ ist, ist interessanter als der, der es nicht ist. Aber eigentlich sind doch gerade Künstler besonders kreativ, und die verzichten auf das Label. Wahrscheinlich deshalb, weil sie als Künstler idealerweise tatsächlich etwas Eigenes schaffen. Dazu muss man kreativ sein, aber das ist nur die Grundvoraussetzung. Die anderen, die explizit Kreativen, denken sich zwar auch alles Mögliche aus, texten, designen und entwickeln, aber eben nichts Eigenes. Da kann man noch so viel vom Herzblut erzählen, das in jedem Projekt steckt. Alles, was man in der Werbung macht, dient dazu, irgendwas zu verkaufen. Wenn es dabei um einen Kern, eine Botschaft oder Identität geht, dann die der Marke. Künstler wollen meistens auch ihr Zeug verkaufen und viele müssen sich nach den Markterfordernissen richten, aber ich wage mal zu behaupten, dass sie trotzdem auf einer ganz anderen Ebene des Selbstausdrucks operieren. Und deshalb müssen sie sich auch nicht so verzweifelt daran festklammern, dass sie kreativ sind. Denn was heißt das schon?


Julia Ritter in • ArbeitKreativitätMedienWerbung am 04. Juni 2008
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Überall auf einmal suchen

Überall stimmt natürlich nicht ganz. Aber trotzdem kann man bei Addict-o-matic schon sehr viele Suchquellen auf einmal auswerten. Man gibt einen Suchbegriff ein und erhält dann, je nach Präferenz, die Ergebnisse von Google Blog Search, Ask.com, technorati, Digg, YouTube, Flickr, Delicious, Bloglines und mehr.

Meistens will ich so viel ja gar nicht wissen.
Trotzdem kann Addict-o-matic sehr horizonterweiternd sein, vor allem bei Themen, denen man sich interessiert, aber ahnungslos nähert. Etwas, das man immer wieder tun sollte. 

Texte von Textferry.de
Und so sieht es aus. Nur, dass es nach unten weitergeht.


Julia Ritter in • ArbeitKulturMedien am 15. Mai 2008
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Vorbildlicher Kundenservice: EasyCash&Tax

Buchhaltung und Steuerkram jeglicher Art haben ein warmes Plätzchen in meinem Unbewussten sicher, denn ich nehme mal an, dass sie dort landen, wenn ich sie regelmäßig aus meinem Bewusstsein verdränge. Aber pseudopsychologische Verortungen beiseite und flugs zum Punkt gekommen: Seit Anfang 2006 verwende ich für Buchhaltung, USt.-Voranmeldung etc. ein wundervoll einfaches Programm, das es ganz umsonst gibt: EasyCash&Tax. (Nach jeweils 20 Buchungen fordert es einen freundlich auf, doch ein bisschen Geld zu spenden - eine Bitte, der ich begeistert Folge geleistet habe.)

Texte von Textferry.de
Allet janz leicht mit EasyCash&Tax

Anfang 2007 habe ich kurz überlegt, ob ich auf das von allen in meinem damaligen Umfeld so gelobte WISO-Sparbuch umsteigen soll. Ich hab das WISO-Sparbuch sogar gekauft, nach der Erstinstallation (bei der ich unbeabsichtigt auch noch eine Art Abovertrag abgeschlossen hab, was ich erst Ende des Jahres mit Entsetzen feststellen durfte) war ich allerdings schon so traumatisiert, dass ich mich wieder meinem treuen EasyCash&Tax zuwandte. EasyCash&Tax ist, wie gesagt, einfach, macht also seinem Namen alle Ehre. Das Beste aber ist: Hinter EasyCash&Tax steht ein echter, lebendiger Mensch (oder aber ein extrem hoch entwickeltes künstliches Mailbeantwortungssystem). Als ich nämlich gestern zum ersten Mal auf ein Problem mit dem wackeren Programm stieß, schrieb ich kurzerhand eine Mail an die angegebene Adresse. Heute morgen hatte ich bereits eine Antwort, und nach einem regen Mailverkehr heute Abend, in dessen Verlauf mir der Programmierer von EasyCash&Tax sogar eine neue, verbesserte Programmversion schickte, war das Problem behoben.
Mich schaudert es bei dem Gedanken, was wohl passiert wäre, wenn ich den Leuten vom WISO-Programm eine Mail geschrieben hätte. Wahrscheinlich hätte ich damit einen WISO-Update-Vertrag auf Lebenszeit geschlossen.

Das Marketing-Fazit: Leute spenden lieber freiwillig, als unfreiwillig Verpflichtungen einzugehen. Und eine funktionierende Kundenkommunikation ist tausendmal wichtiger und besser als aufwändige Werbung.


Julia Ritter in • Arbeit am 19. Februar 2008
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Über Rohfassungen und Zeitverknappung

Es ist schon wieder sechs Wochen her, da hatte ich angekündigt, demnächst zu verraten, was ich alles Tolles bei meinem “National Novel Writing Month”-Abenteuer gelernt habe. Das ferryblog, in dem ich die erhellende Botschaft verkünden wollte, ist inzwischen von der Textfee geschluckt worden, aber irgendwann kommt die Zeit für alles und damit auch hierfür:

Was man lernt, wenn man jeden Tag 1.667 Wörter Prosa schreibt, einen Monat lang

Erstens und wichtigstens lernt man dies: Bei einer Rohfassung ist alles erlaubt. Holprige oder gar keine Übergänge, Handlungsstränge, die ins Leere führen, Dialoge, die sich im Kreis drehen, Figuren, die völlig unerwartet anfangen zu stottern (das erhöht den Wort-Output), Klischees, stilistische Fauxpas… alles. Natürlich will das niemand am Ende in einem fertigen Roman haben und erst recht will es niemand lesen, aber das ist für die Rohfassung völlig irrelevant. Wie die Initiatoren des NaNoWriMo so schön sagen: Die Rohfassung ist für den Schriftsteller das, was für den Bildhauer der Stein ist. Irgendwo sollte schon die gute Geschichte drin sein, aber man muss sie nicht gleich von außen sehen können.

Texte von Textferry.de
Sieht ja erstmal auch noch nicht so toll aus

Zweitens: Kaum etwas macht so produktv wie eine klare Deadline. Das ist zwar an sich keine überraschende Erkenntnis - die meisten Freelancer dürften es immer wieder erleben. Nur setzen sich die wenigsten Menschen selbst eine Deadline für ihre eigenen Projekte. Die werden stattdessen immer schön hintenan gestellt, alles andere hat Vorrang. Und es kommen immer neue vorrangige Dinge dazu und das eigene Projekt bleibt ewig ein Dorn im Gewissen und mehr nicht. Beim NaNoWriMo war die Deadline klar. Für die Überarbeitung meines Werks hab ich mir noch keine gesetzt und scheue auch noch davor zurück, aber zumindest weiß ich jetzt, welche Wunderwirkung ein einziger, öffentlich kommunizierter Termin haben kann.

Drittens: Wenn man nur genug schreibt, ist auch immer öfter was richtig Gutes dabei. Also nicht nur kleine, lustige Situationen, die anderen Leuten gefallen könnten, sondern vor allem Passagen, Ideen, Wendungen, mit denen ich mich identifizieren kann. Das passiert mir bei der Arbeit zwar auch manchmal, aber seien wir ehrlich: Meine innerste Wirklichkeit bilden Gebrauchstexte eher nicht ab. Wäre wohl auch nicht so zielgruppenrelevant.

Auf Dauer kann man (oder ich) nicht in dem Tempo weiter schreiben. Irgendwann kommt der Punkt, an dem es gut wäre, langsam von Quantität auf Qualität umzusteigen. Das ist dann aufwändiger und dauert länger. Aber wenn man keinen Text hat, an dem man arbeiten kann, dauert es ewig.


Julia Ritter in • ArbeitKreativitätKultur am 07. Februar 2008
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Blogkonsolidierung

Manchmal sind die Ambitionen größer als der unbedingte Leistungswille* und/oder die Kapazitäten. Dann eröffnet man (also ich) frohen Mutes zwei Blogs, mit zwei so schönen Header- und überhaupt Designs und schreibt dann doch nur unregelmäßig. Und nachdem die deutsche Wiedervereinigung nun volljährig und damit geschäftsfähig geworden ist, wächst jetzt auch hier zusammen, was zusammen gehört. Nämlich das ferryblog und das textfairy-Blog. Ersteres gibt es in der alten Form nicht mehr, alle Beiträge sind aber in letzteres eingeflossen und also genau hier zu finden. Deswegen gibt es auch plötzlich viel mehr Kategorien, die in Kürze (welch dehnbarer Begriff) ebenfalls überarbeitet werden.

Was ich daraus lerne:
- Bloggen ist aufwändig.
- Wenn man zwei Blogs mit jeweils unterschiedlichem Fokus hat, muss man das klar differenzieren. Das ist mir so wenig gelungen, dass ich teilweise selbst nicht wusste, welcher Beitrag besser wohin passt - nicht gut!
- Meine Blogmaster sind die besten.

Im neuen Jahr (ja! Das musste kommen!) geht es jetzt also weiter mit dem einen, einzigen, wunderschönen Vereinigungsblog. Diesem hier.

Texte von Textferry.de

* Kleine literarische Anekdote: Im Englischen nennt man sowas “biting off more than you can chew“. Über dem äußerst wortreichen Henry James sagte dagegen mal jemand “he chews more than he bites off.“ Sehr lustig.

Foto: iStockphoto


Julia Ritter in • ArbeitKultur am 05. Januar 2008
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Völlig subjektiver Gedankenmischmasch nach dem 9to5 Festival-Camp

Nach zweieinhalb Tagen 9to5 Festival Camp (den dritten konnte ich leider nur halb miterleben) und haufenweise Bloglektüre zum Thema ist mir klar geworden, dass es dazu nur Impressionen geben kann. Hier also meine:

- Es waren ein ganzer Haufen sympathisch und aufgeweckt (das später weniger) aussehende Menschen anwesend, ohne dass das Ganze wie eine Mitte-Klonfarm gewirkt hätte.

- Das Design, die Logistik und die Technik waren erstklassig. Das ist insbesondere deshalb beachtlich, weil viel mit freiwilligen Helfern gearbeitet wurde.

Texte von Textferry.de

- Das Konzept “arbeiten, wie man leben will” ist politisch, weil es die bestehenden Grundannahmen in Frage stellt - die ganz allgemein arbeitspolitischen, aber auch meine eigenen. Zum Beispiel: Mache ich überhaupt das, was ich wirklich will und gut kann? Oder nur das, was ich auch gut kann und wofür ich sichere Abnehmer habe?

- Die frei (und in variierendem Maße kreativ) arbeitende Nicht- oder Neu-Klasse scheint viele zu beunruhigen, und zwar aus ganz unterschiedlichen und teilweise entgegengesetzten Gründen. Die einen halten das alles für wahnsinnig elitär, die anderen für aufgetakelte Fastverelendung. Was soll man machen. Vielleicht erben einige der Festival-Camp-Teilnehmer wirklich mal Immobilien. Vielleicht zahlen sie damit auch nur die Pflege ihrer Eltern. Vielleicht stimmt das aber auch alles gar nicht.

- Ich finde nicht, dass alle, die gerne frei und nicht fest angestellt arbeiten, “aus der Not eine Tugend machen” (Spiegel Online) - im Gegenteil kenne ich einige, die ihre Festanstellung freudig gekündigt haben, um mehr Zeit für ihre frei gewählte Selbstständigkeit zu haben.

- Es ist mir komplett unwichtig, ob ich “links” bin oder von anderen so wahrgenommen werde.

- Régine Debatty (we make money not art) ist grandios.

- Podiumsdiskutanten diskutierten auch hier in den seltensten Fällen tatsächlich miteinander.

Und Journalisten scheinen gerne scharenweise denselben Aufhänger zu bemühen - zumindest dürfte jetzt kein Zweifel mehr darüber herrschen, wo das Radialsystem V (der Veranstaltungsort des Festival-Camps) liegt. Nämlich ganz bedeutungsschwanger gegenüber vom ver.di-Gebäude.


Julia Ritter in • ArbeitBerlinKultur am 27. August 2007
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