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Neues von den Resten der US-Verfassung

Erstaunlich, was man heutzutage so alles nur in Blogs und nicht etwa in den herkömmlichen Medien lesen kann: Am 17. Juli hat Präsident George W. Bush eine Executive Order erlassen, deren Nummer ich leider nirgendwo recherchieren konnte - wahrscheinlich hat man inzwischen aufgehört, mitzuzählen - und die mit den Bestimmungen des 5. Verfassungszusatzes (siehe unten) ziemlich aufräumt.

Die unnummerierte Executive Order besagt, dass das Eigentum von sich auf amerikanischem Boden aufhaltenden juristischen Personen (das sind US-Bürger, Ausländer, Organisationen, Firmen) beschlagnahmt bzw. “blockiert” werden kann, wenn diese Personen in irgendeiner Form Gewaltakte ausgeführt oder geplant oder unterstützt haben oder auch nur im Verdacht stehen, Gewaltakte auszuführen, zu unterstützen usw, die “die Bemühungen im Irak unterminieren”. Hier die entsprechende Passage aus dem Originaltext:

[…]all property and interests in property of the following persons […] are blocked and may not be transferred, paid, exported, withdrawn, or otherwise dealt in: any person determined by the Secretary of the Treasury, in consultation with the Secretary of State and the Secretary of Defense,
(i) to have committed, or to pose a significant risk of committing, an act or acts of violence that have the purpose or effect of:
(A) threatening the peace or stability of Iraq or the Government of Iraq; or
(B) undermining efforts to promote economic reconstruction and political reform in Iraq or to provide humanitarian assistance to the Iraqi people;
(ii) to have materially assisted, sponsored, or provided financial, material, logistical, or technical support for, or goods or services in support of, such an act or acts of violence or any person whose property and interests in property are blocked pursuant to this order; or
(iii) to be owned or controlled by, or to have acted or purported to act for or on behalf of, directly or indirectly, any person whose property and interests in property are blocked pursuant to this order.

Mit dieser Executive Order wird der 5. Verfassungszusatz außer Kraft gesetzt, der da lautet:

No person shall be held to answer for a capital, or otherwise infamous crime, unless on a presentment or indictment of a Grand Jury, except in cases arising in the land or naval forces, or in the Militia, when in actual service in time of War or public danger; nor shall any person be subject for the same offense to be twice put in jeopardy of life or limb; nor shall be compelled in any criminal case to be a witness against himself, nor be deprived of life, liberty, or property, without due process of law; nor shall private property be taken for public use, without just compensation.

Texte von Textferry.de
Offenbar nicht George W. Bushs liebste Bettlektüre: Die Verfassung der Vereinigten Staaten von Amerika

Dieser Verfassungszusatz gehört zur Bill of Rights, um die die amerikanische Verfassung am 15. Dezember 1791 erweitert wurde. Mich persönlich hat immer beeindruckt, dass die USA die am längsten gültige Verfassung der Welt haben. So langsam scheint da aber ein Ära zuende zu gehen. Mal sehen, wieviel George W. von diesem Traditionswerk übriglässt. Übrigens könnte man ja sagen, dass der Irakkrieg durchaus einen “act of violence” darstellt, der “den Frieden oder die Stabilität im Irak” bedroht. Heißt das also, dass die weltlichen Besitztümer der Familie Bush demnächst eingefroren werden?

Fundort: Boing Boing - dort gibt es auch einen interessanten Link zu einem Artikel, der die American Civil Liberties Union (ACLU) zum Thema zitiert.

Photo: iStockphoto


Julia Ritter in • KulturMedien am 20. Juli 2007
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Rezensionsfreudig und der englischen Sprache mächtig?

Das Kunstneigungsgruppe monochrom sucht für die nächste Ausgabe ihres neuen Jahrbuchs monochrom #26-34 noch Beiträge aller Art. Wirklich aller Art. Insbesondere wollen sich die Herausgeber auf Rezensionen konzentrieren, und auch hier gilt: alle Arten von Rezensionen. Und alles darf rezensiert werden. Wer also schon immer mal sein informiertes Urteil über irgendwas kundtun wollte, kann dies nunmehr tun und das Ergebnis an monochrom senden. Was die Rezensionsobjekte betrifft, hat die Redaktion ein paar Vorschläge gemacht, um die Weite des Feldes anzudeuten:

Want to review a certain medieval war? Or arctic sea protozoans? Laws of nature? Climate zones? Ways to die? Lava streams? Spam headers? Demonstrations? Sumerian gods? Neon feelings? A crisis? The different types of snow in Stephen King novels? Book shelves in porn movies? Kosher hot dogs? Axiology? Sperm? Johann Sebastian Bach? German officers in American movies who shout “Schweinerei”? Russian oil pumps?  Calvinistic prayers?  Trash cans in Kansas and/or Lithuania? Anal sex? The Northwest as an ontological entity? Perfect! Go on!

Texte von Textferry.de
Sicher auch rezensierbar: Suppenkreationen - Konzeptkunst oder Nahrungsmittel? (Photo: iStockphoto)

Voraussetzung ist allerdings, dass die Rezension (und auch jeder andere Beitrag) auf Englisch verfasst wird. Denn die monochrom-Jahresschrift ist “gebenedeit unter den Illustrierten”. Und wie schon der Opa meiner Chicagoer Studienfreundin sagte: “If English was good enough for Jesus, it’s good enough for you!”

Link zum Call for Everything


Julia Ritter in • KulturMedien am 11. Juli 2007
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Unheimliche Ähnlichkeiten

Manchmal kommt der Moment, da man auch dem letzten Stück ästhetischer Integrität einen Abschiedskuss geben und sich dem Unvermeidlichen fügen muss. Zum Beispiel, wenn man trotz flächendeckender Blasenbildung nicht ganz aufs Gehen verzichten möchte. Und so kaufte ich mir denn ein paar dieser laut Insiderinformationen in Australien extrem verbreiteten Crocs:

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Sie sind so bequem und extrem leicht, wie sie häßlich sind. Und sie kamen mir vage bekannt vor. Warum, ist mir erst klar geworden, als ich sie im Dunkeln sah. Hier der direkte Vergleich:


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Crocs


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Jason Voorhees


Julia Ritter in • AlltagKonsumMedien am 14. Juni 2007
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Doonesbury. Eine Liebeserklärung.

Im sympathischsten Comicladen der Stadt habe ich heute den aktuellsten Sammelband des US-Comics Doonesbury von Gary B. Trudeau gefunden. Doonesbury ist in Deutschland weitestgehend unbekannt, was angesichts der sehr amerikaspezifischen Inhalte zwar kein Wunder, aber trotzdem schade ist.

Der Strip erscheint seit mittlerweile 37 Jahren täglich in den meisten großen und einer Reihe kleinerer amerikanischer und britischer Zeitungen und ist aus verschiedenen Gründen einzigartig:

Doonesbury ist eine einzigartige Chronik der amerikanischen Zeitgeschichte seit 1968. Wer wissen will, was mit Watergate los war, oder beim Savings&Loans-Skandal, oder wie noch mal dieser babyblauäugige Vize von Bush senior hieß, oder was die anderen Amerikaner, die den Antiamerkanismus nicht verdient haben, so denken, der sollte Doonesbury lesen. Man muss sich nicht durch alle 37 Jahre arbeiten (bei einem Strip täglich mit Unterbrechungen ein Kolossalunterfangen) und man sollte etwas Geduld mitbringen, um sich einzufinden, aber es lohnt sich auf jeden Fall.
Die Hauptfiguren sind Angehörige der Baby Boomer-Generation, die im Laufe der Jahre altern, heiraten, sich scheiden lassen, arbeitslos werden, in den Krieg ziehen, etc. Das ist selten in Comics, es bringt die Endlichkeit ins Spiel, die in den sonst sehr statischen Settings außen vor bleibt. Und es erlaubt Trudeau, immer aktuell zu bleiben.

Trudeau ist kein großer Fan der Bushs. Vielleicht schätzt er sie als Realsatire und Materialquelle. Dem neuen Band, Heckuva Job, Bushie! ist wie vielen anderen auch ein Bush-Zitat vorangestellt, in diesem Falle:

“Our enemies are innovative and resourceful, and so are we. They never stop thinking about new ways to harm our country and our people, and neither do we.”

Das erklärt doch einiges.

Texte von Textferry.de

Die tägliche Dosis Doonesbury gibt es hier (sollte es jedenfalls! Gestern gings, heute nicht). Die Bücher beim Comicladen Ihres Vertrauens oder bei amazon.


Julia Ritter in • AlltagKulturMedien am 07. Juni 2007
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Second Life ist uncool

Nachdem Second Life vor allem in “Real Life”-Medien bis zum Absturz gehypt wurde, ist es nun schon wieder überaus uncool. Das macht aber nichts. Auch wenn es nur ein groß angelegtes Puppenstubenspiel ist und diese dämlichen Avatare ganz schön nerven können (ich zumindest würde da lieber gänzlich körperlos rumfliegen und Dinge angucken) und kaum jemand außer Spiegel Online und einem Haufen Journalisten sich für irgendwelche Markenhersteller-Dependancen dort interessiert, gibt es doch immer wieder ganz witzige Dinge zu sehen. Gestern zum Beispiel war ich in einer Art Burg, in deren Haupthalle eine schwule Foto- und Skulpturenausstellung zu bestaunen war - was es außerdem noch damit auf sich hatte, weiß ich nicht, denn dann ist SL abgeschmiert (bei mir jedenfalls). Und heute habe ich in unmittelbarer Nachbarschaft diese schöne Meeresgrund-Fotoinstallation gefunden. Die schwule Burg lag übrigens auch ganz um die Ecke; wenn ich nicht so einen grottigen Orientierungssuínn hätte, könnte ich sie schnell wiederfinden. Auf jeden Fall scheine ich im uncoolen Second Life in einer coolen Gegend zu leben.

Texte von Textferry.de


Julia Ritter in • AlltagKulturMedien am 24. April 2007
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newBERLIN, Alexanderplatz

Heute ist das erste Sim (sowas wie eine Parzelle in Second Life) der Second-Life-Version von Berlin online gegangen und ich war dort, denn ich hatte es ja nicht weit (das übrigens ist ein für Berliner sehr wichtiges Argument, jedenfalls ab einem gewissen Alter, da schätzen wir es, wenn wir zur Abendunterhaltung nicht mehrere Stadtteile durchqueren müssen. In Welten mit Teleport-Funktion vielleicht weniger ausschlaggebend). Was soll ich sagen: Es war nicht ganz Berlin, denn das ist ziemlich groß, aber immerhin der Alex samt Fernsehturm und Haus des Lehrers oder des Reisens oder welches es ist, ich kann mir das ums Verrecken nicht merken und Bahnhof und bekrakelten Mülleimern mit echtem Virtualmüll drin. Alles in allem sehr hübsch und nett anzusehen und wenn man dem Interview mit den Machern Glauben schenken darf (mach ich mal ganz unvoreingenommen, solange ich keines Besseren belehrt werde), auch ohne allzu aufdringliche Marketing-Hintergedanken (o Graus - ich warte nur auf das Berliner Schloss im Second Life, aber vielleicht bauen die newBERLIN-Macher ja auch ganz anachronistisch den Palast der Republik wieder auf, obwohl, ich glaube nicht). Außerdem war es lustig, Berlin bei Nacht anzugucken, während draußen erst die wunderbar warme Frühlingssonne unterging. Was das alles soll? Ach, was ist schon der Sinn des Lebens?


Julia Ritter in • BerlinKulturMedien am 16. April 2007
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Geschichte des Bloggens

Weil es so schön ist, jetzt auch hier: Die Geschichte des privaten Bloggens, gefunden bei Mashable:

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Julia Ritter in • AlltagMedien am 08. April 2007
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Improve your English and have fun while you’re at it

Wenn man, wie ich, nicht zum aktiven Jet Set gehört und Aufenthalte im englischsprachigen Ausland weit getaktet sind und wenn man darüber hinaus eine Schwäche für alle Arten seichter bis mittelintelligenter (erster Sprachtipp: der englische Begriff hierfür ist “midbrow”) Fernsehunterhaltung hat, dann helfen die folgenden TV-Serien weiter - vorausgesetzt, man sieht sie im Original:

Mit das Beste, um die allgemeine Eloquenz zu fördern, ein bisschen was über die amerikanische Politik zu lernen und sich außerdem den Glauben daran zu bewahren (falls vorhanden), dass auch ein amerikanischer Präsident ein guter Mensch sein kann, ist The West Wing. Sehr geistreich, moderat patriotisch (manchmal muss man tapfer sein) und insgesamt kurzweilig. Für Möchtegern-Lobbyisten ein Muss.

Buffy, the Vampire Slayer lief auch hier, setzt beim Zuschauer ein gewisses Maß an Toleranz voraus, was Fantasy und Kitsch betrifft, belohnt dafür ab der dritten Staffel mit herrlicher Selbstironie und bietet von Anfang an einen sehr freizügigen Umgang mit der englischen Sprache. Ein Quell der Inspiration für Werbetexter, weniger wegen der Thematik als vielmehr wegen der absolut respektlosen Vermischung von Schund und Tradition.

The O.C. besticht nicht gerade durch einfallsreiche Plotlines, aber angeblich ist die vierte Staffel besser als die dritte. Dafür gibt es aber eine ganze Schatztruhe voll beknackter amerikanischer bzw. kalifornischer Teenie-Sprache. Ich nehme an, dass die meisten kalifornischen Teenies mit einem Hauch Selbstachtung diese Idiome nie in den Mund nehmen werden, aber es geht weniger um die einzelnen Wendungen als vielmehr um die sprachliche Athmosphäre, den Gestus, wie immer man es nennen will.

Soviel zum Anfang, Das sind etwa 150 Stunden (völlig aus der Luft gegriffene Schätzung, aber kommt bestimmt ungefähr hin) Fernsehen. Wer nicht soviel Zeit hat und außerdem lieber joggen geht, als sofakartoffelig vor der Glotze zu hängen (und das bei dem Wetter), der kann sich dabei mit oder über George W. amüsieren: The Weekly Radio Address.

Update: Achtung, Kommentare enthalten Spoiler! Also nicht die Aerodynamik-optimierende Sorte, sondern es wird verraten, wie es ausgeht. Wer also. The O.C. noch nicht gesehen hat und die Spannung bis zum letzten Augenblick auskosten will, sollte nicht weiterlesen.

Technorati Profile


Julia Ritter in • AlltagKulturMedien am 28. März 2007
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Second Life goes CeBIT (oder auch nicht)

Eben war ich aus lauter Neugier (was sonst) am Second Life CeBIT Messestand von Sony Ericsson. Man kann dort im Tausch gegen eine Sloganvariante ein Handy gewinnen. Allerdings ist es fast unmöglich, festzustellen, wie denn so ein Handy aussieht oder was es gar für Features hat. Die ausgestellten Exemplare waren nämlich winzigklein und pixelig und bar jeder Zusatzinformationen. Zumindest hab ich keine gefunden. Dafür war am Stand nicht so ein Rummel wie bei der richtigen (RL) CeBIT. Von der konnte man sich Bilder angucken. Ach ja, ein tolles T-Shirt gab es auch geschenkt, mit “I (SonyEricssonLogo) music”. Und das war’s dann auch schon. Aber die Gegend ist hübscher als Hannover.


Julia Ritter in • KulturMedien am 18. März 2007
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The Real Deal

Über die deutsche Vanity Fair wurde ja schon viel geschrieben, die meisten haben sie gedisst, und es gibt tausend Gründe, warum sie ist, wie sie ist. Aber als hätten die Leute bei Condé Nast, Graydon Carter oder die Mächte, die da sonst walten, Mitleid gefasst, steckte heute die Annual Hollywood Issue im Briefkasten, mit “316 pages of glamour, gowns, and gams”, “killer blondes, private eyes, and lost angels”, und dem 33-seitigen film noir-Foto"film” Killers Kill, Dead Men Die, in dem alles auftaucht, was so Rang und Namen hat. Die Fotostrecke im Heft ist übrigens besser als der Film. Und das Ganze zeigt überdeutlich, dass die deutsche Vanity Fair sich zum Original ungefähr so verhält, wie die Maxi zur Vogue.

Das Beste aber an der echten Vanity Fair sind die leichte Selbstironie und der Witz, die überall mitschwingen. Sowas funktioniert nur, wenn man souverän ist. Wer weiß, vielleicht schaffen die deutschen VFler das auch. Mein Rat allerdings: Don’t hold your breath.


Julia Ritter in • KulturMedien am 24. Februar 2007
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