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McDonald’s in der Wrangelstraße

Nun hat also McDonald’s, einer der wenigen Läden in Deutschland, dessen apostrophierter Name nicht von Deppentum, sondern von seiner tatsächlichen anglophonen Herkunft zeugt, in Kreuzberg ein Filiale eröffnet und es ist, soweit ich weiß, bisher rein gar nichts Schlimmes passiert. Das kann sich natürlich bald ändern, wenn in der gegenüberliegenden Berufsschule die Böden unter der Last der vielen supersized Berufsschüler einbrechen, aber ich glaube nicht - das Gebäude wirkt sehr solide und die meisten Berufsschüler eher sportlich.

Im Gegenteil hat das neue McDonald’s-Restaurant (oder ist es ein McCafé? Oder beides? McDonald’s hat das mit der Namensgebung übrigens echt schon seit Jahrzehnten raus, lange vor Apple mit dem dämlichen und dazu noch häufig kopierten “i” - aber das ist ein anderes Thema), also “der McDonald’s” jedenfalls hat bereits kulturelle Spuren hinterlassen, und das sogar schon ein paar Tage vor der Eröffnung:

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Ich finde, das Bild (also das Gemälde, man muss etwas genauer hingucken) hat was Hoppereskes, nur dass keine einsamen Leute drauf sind. Ist das nun Kulturimperialismus - amerikanische Fast Food-Kultur inspiriert zu amerikanischem Realismus?


Julia Ritter in • AlltagBerlinKultur am 16. September 2007
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Und wieder ein ausgebranntes Auto in Kreuzberg

Ein erschreckendes Bild bot sich heute in der Alten Jakobsstraße in Kreuzberg. Wieder einmal ist ein Auto einem Brandanschlag zum Opfer gefallen - und der gemeine Berliner scheint inzwischen so abgestumpft gegenüber diesem allgegenwärtigen Bild der Zerstörung, dass nur unsere Fotografiererei ein kleines bisschen Aufmerksamkeit erregte, nicht aber das völlig ausgebrannte Autowrack:

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Und das ausgerechnet direkt neben der Freien Waldorfschule.

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Julia Ritter in • AlltagBerlin am 12. September 2007
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Völlig subjektiver Gedankenmischmasch nach dem 9to5 Festival-Camp

Nach zweieinhalb Tagen 9to5 Festival Camp (den dritten konnte ich leider nur halb miterleben) und haufenweise Bloglektüre zum Thema ist mir klar geworden, dass es dazu nur Impressionen geben kann. Hier also meine:

- Es waren ein ganzer Haufen sympathisch und aufgeweckt (das später weniger) aussehende Menschen anwesend, ohne dass das Ganze wie eine Mitte-Klonfarm gewirkt hätte.

- Das Design, die Logistik und die Technik waren erstklassig. Das ist insbesondere deshalb beachtlich, weil viel mit freiwilligen Helfern gearbeitet wurde.

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- Das Konzept “arbeiten, wie man leben will” ist politisch, weil es die bestehenden Grundannahmen in Frage stellt - die ganz allgemein arbeitspolitischen, aber auch meine eigenen. Zum Beispiel: Mache ich überhaupt das, was ich wirklich will und gut kann? Oder nur das, was ich auch gut kann und wofür ich sichere Abnehmer habe?

- Die frei (und in variierendem Maße kreativ) arbeitende Nicht- oder Neu-Klasse scheint viele zu beunruhigen, und zwar aus ganz unterschiedlichen und teilweise entgegengesetzten Gründen. Die einen halten das alles für wahnsinnig elitär, die anderen für aufgetakelte Fastverelendung. Was soll man machen. Vielleicht erben einige der Festival-Camp-Teilnehmer wirklich mal Immobilien. Vielleicht zahlen sie damit auch nur die Pflege ihrer Eltern. Vielleicht stimmt das aber auch alles gar nicht.

- Ich finde nicht, dass alle, die gerne frei und nicht fest angestellt arbeiten, “aus der Not eine Tugend machen” (Spiegel Online) - im Gegenteil kenne ich einige, die ihre Festanstellung freudig gekündigt haben, um mehr Zeit für ihre frei gewählte Selbstständigkeit zu haben.

- Es ist mir komplett unwichtig, ob ich “links” bin oder von anderen so wahrgenommen werde.

- Régine Debatty (we make money not art) ist grandios.

- Podiumsdiskutanten diskutierten auch hier in den seltensten Fällen tatsächlich miteinander.

Und Journalisten scheinen gerne scharenweise denselben Aufhänger zu bemühen - zumindest dürfte jetzt kein Zweifel mehr darüber herrschen, wo das Radialsystem V (der Veranstaltungsort des Festival-Camps) liegt. Nämlich ganz bedeutungsschwanger gegenüber vom ver.di-Gebäude.


Julia Ritter in • ArbeitBerlinKultur am 27. August 2007
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Buffy is back!

Ich sage es ja wieder und wieder: Zeitungen und Zeitschriften sind eine gute Sache. Auch in der Internet-Ära lassen sich dort immer wieder interessante Dinge erfahren, in diesem Fall in der Jungle World, die ich abonniert habe und nicht online lese, obwohl auch das geht. Dort also las ich kürzlich, dass meine Lieblings-Fernsehserie (und nachdem ich es hier bereits öffentlich gemacht habe, scheue ich weder Hohn noch Spott) Buffy, the Vampire Slayer, die leider mit der siebten Staffel endete, nun sozusagen cross-medial in Comicform fortgesetzt wird.

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Season 8 - The Long Way Home” und “The Chain” (Heft 1-5) sind bereits bei Dark Horse Comics erschienen und waren in meinem ebenfalls bereits an anderer Stelle empfohlenen Lieblings-Comicladen sogar vorrätig. Band 6 kommt am 05. September raus und ich kann ihn dann ebendort abholen, sozusagen als Präsenz-Abonnentin. Da zumindest die ersten 5 Bände vom “Creator” der Serie Joss Whedon höchstselbst geschrieben wurden, sind sie ähnlich witzig, selbstironisch und voll von popkulturellen Trivia-Anspielungen wie die TV-Version. Und in den meisten Bildern sehen die Figuren sogar aus wie ihre “Originale”.

Der Jungle World-Artikel zum Thema ist übrigens sehr zu empfehlen.


Julia Ritter in • BerlinKulturMedien am 16. August 2007
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Harry Potter light

Ich habe ja leider in vielen Dingen einen so dermaßen vermainstreamten Geschmack, dass ich mich oft in Situationen wiederfinde, die ich eigentlich nicht so mag. Zum Beispiel mit ungefähr 500 Berlinern und Berlinbesuchern aus aller Welt (ehrlich gesagt sahen sehr viele aus wie Iren, nämlich rothaarig - oder waren es gar Weasleys?) an der Kinokasse im Sony Center. Auch diesmal blieb das Sony Center entgegen den düsteren Prophezeiungen meiner Begleitung von Selbstmordattentaten verschont, und so konnten wir uns von der Weltpolitik unbehelligt im klimatisierten Kinosaal Harry Potter and the Order of the Phoenix ansehen. Nachdem der letzte Film der Reihe wohl etwas zu lang ausgefallen war, wurde in diesem leider sehr viele Dimensionen des Buches ausgelassen, bzw. nur kurz gestreift. Zum Beispiel die Beziehungen zwischen den verschiedenen magischen Kreaturen (Hexen/Zauberer, Zentauren, Elfen) und überhaupt die für ein Kinderbuch eigentlich sehr komplexen politischen Verwicklungen und Motivationen. Das war nicht weiter verwunderlich. Mehr überrascht hat mich, dass so viele der actiongeladenen Szenen zum Schluss des Buchs ausgelassen wurden - es hätte mich interessiert, was die Szenenbildner und Ausstatter aus diesen ganzen seltsamen Räumen im Department of Mysteries machen.

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Insgesamt wirkte der Film wieder wie eine Light-Version des Buches - unterhaltsam, aber etwas fehlte. Nun ist allerdings das Buch zum Film (haha) auch eher das Durchgangszimmer der Reihe - es passiert alles mögliche und es gibt auch einen Klimax, aber keinen richtigen Anfang und keinen richtigen Schluss. Das fällt beim Film vielleicht noch mehr auf. Und vielleicht ist es auch nicht ganz unbeabsichtigt, denn schon am Samstag kommt schließlich der letzte Band der Reihe (auf Englisch) raus, sozusagen zur Befriedigung der unerfüllten Erwartungen. Ob die wirkt, wird sich zeigen.

Mit einigermaßen hartgesottenen Kindern ab 11 kann man den Film übrigens ruhig sehen. Allerdings enthält man auch denen viel vor, wenn man nicht vorher (!) das Buch mit ihnen liest.

Am interessantesten am gestrigen Kinoabend fand ich allerdings die Tatsache, dass im Dezember die Verfilmung des ersten Bandes eines meiner Lieblingsbücher ins Kino kommt: Der Goldene Kompass, erster Teil einer Trilogie von Philip Pullman - Fantasy für Leute, die kein Fantasy mögen, mit literarischen Wurzeln bei Milton, gleichzeitig vollkommen dreist allumfassend, sehr genial und extrem spannend. Bis Dezember bleibt noch mehr als genug Zeit, mindestens den ersten Band zu lesen. Nach Teil 7 von Harry Potter.

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Link zum Golden Compass Trailer auf youtube


Julia Ritter in • AlltagBerlinKultur am 18. Juli 2007
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newBERLIN, Alexanderplatz

Heute ist das erste Sim (sowas wie eine Parzelle in Second Life) der Second-Life-Version von Berlin online gegangen und ich war dort, denn ich hatte es ja nicht weit (das übrigens ist ein für Berliner sehr wichtiges Argument, jedenfalls ab einem gewissen Alter, da schätzen wir es, wenn wir zur Abendunterhaltung nicht mehrere Stadtteile durchqueren müssen. In Welten mit Teleport-Funktion vielleicht weniger ausschlaggebend). Was soll ich sagen: Es war nicht ganz Berlin, denn das ist ziemlich groß, aber immerhin der Alex samt Fernsehturm und Haus des Lehrers oder des Reisens oder welches es ist, ich kann mir das ums Verrecken nicht merken und Bahnhof und bekrakelten Mülleimern mit echtem Virtualmüll drin. Alles in allem sehr hübsch und nett anzusehen und wenn man dem Interview mit den Machern Glauben schenken darf (mach ich mal ganz unvoreingenommen, solange ich keines Besseren belehrt werde), auch ohne allzu aufdringliche Marketing-Hintergedanken (o Graus - ich warte nur auf das Berliner Schloss im Second Life, aber vielleicht bauen die newBERLIN-Macher ja auch ganz anachronistisch den Palast der Republik wieder auf, obwohl, ich glaube nicht). Außerdem war es lustig, Berlin bei Nacht anzugucken, während draußen erst die wunderbar warme Frühlingssonne unterging. Was das alles soll? Ach, was ist schon der Sinn des Lebens?


Julia Ritter in • BerlinKulturMedien am 16. April 2007
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Über die Dörfer (Stadt Land Fluss 1)

Ich bin auf dem Land aufgewachsen. Land. Plattes Land. Nicht Städtchen, nicht Dorf, einfach Land. Ein Fluss, ein Deich, ein paar Höfe daran entlang wie an der sparsam aufgefädelten Perlenschnur. Vielleicht auch eher ein langes Stück Band mit ein paar Knoten als eine Perlenschnur. Den Nachbarhof konnte man sehen, aber nur im Winter, wenn kein Laub an den Bäumen war und nicht bei Nebel. Ansonsten konnte man allerdings sehr weit gucken. Zu Sylvester erfreuten wir uns an den Elbschiffern, die ihre alte Leuchtmunition verfeuerten. Die Elbe ist ca. 40 Kilometer weit weg.

Bei uns zuhause stand auf der Kommode in der Halle eine Sammelbüchse in Bootsform für die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger. Genau so eine haben meine Schwester und ich neulich in der Ankerklause auf der Kottbusser Brücke entdeckt. Naja, sie steht da mitten auf dem Tresen, keine große Entdeckung also, aber wir hatten Tränen der Rührung in den Augen. Durch die hindurch blinzelnd wir dann allerdings feststellen mussten, dass das Ankerklausen-Boot gar keine echte Sammelbüchse war. Ich weiß auch nicht, wer in unser Sammelboot zuhause jemals was rein getan hat. Außer mir. Aber meine Beiträge werden den Schiffbrüchigen nicht viel Freude gemacht haben; im Laufe der Jahre dürften es ungefähr sieben Mark fünfundzwanzig in Pfennigen und Groschen gewesen sein. Da das Ding aber irgendwann ziemlich schwer war, nehme ich an, dass auch mein Vater sich so seines Kleingelds entledigt hat. Und manchmal kam ja auch Besuch. Nicht soviel wie in die Ankerklause, das wohl kaum. Aber dafür hat der typische Ankerklausenbesucher auch völlig anderes im Sinn als die Rettung Schiffbrüchiger. Es sei denn, man meint das im übertragenen Sinne.

Jedenfalls habe ich meine letzten Jahre auf dem Dorf nicht mehr ungetrübt genossen. Ja, es ist schön, an einem Fluss zu wohnen – es vermittelt einem eine recht entspannte Sicht der Dinge und ein tief verankertes Vertrauen, dass alles immer irgendwie weitergeht. Vor allem, wenn man so nah an der Küste wohnt, dass der Fluss Gezeiten hat. Das bedeutet: Er hat Hoch- und Niedrigwasser und er fließt hin und her. Von wegen, man kann im selben Fluss nur einmal baden. Das Sprichwort der Wahl bei uns war eher: Man sieht sich immer zweimal. Also ja, Fluss ist schön. Bäume sind schön, allerdings war der Bestand nach dem legendären Ulmensterben etwas dezimiert. Viehweiden sind nett (Bullenweiden außerdem Spannung verheißend, aber davon gab es nur sehr wenige). Schafe auf dem Deich sind nett. Viele Hamburger dachten, es handele sich bei dem Deich um einen Bahndamm. Eigentlich haben die ganz schön was verpasst, weil der Fluss und der Blick darüber so ziemlich das Beste an der ganzen Gegend waren. Soweit ich weiß, hat sie keiner jemals auf ihren Irrtum hingewiesen. Komisch auch, dass die Hamburger den Deich nicht als Deich erkannt haben, immerhin haben sie ja Deiche in unmittelbarer Nähe. Aber die in Finkenwerder sind viel größer und sehen irgendwie gerader aus, daher wohl die Verwechslung.

Trotzdem: Fluss und Deich und Kühe und Schafe reißen es doch nicht, wenn man langsam, aber letztlich doch unaufhaltsam die Pubertät durchschreitet. Zum nächsten Kino musste man 40 Minuten fahren. Dann gab es allerdings eins “mit Verzehr”, in dem hinten sogar geraucht werden durfte (kann ich trotzdem bis heute nicht, rauchen, das bringt mich in freundlichen Kifferrunden oft in Erklärungsnot ... ehrlich gesagt, interessiert es die Kiffer wahrscheinlich gar nicht, aber ich fühle mich unzulänglich und möchte meine Ablehnung wenigstens begründen).

Tanzen gehen war ein düsteres Kapitel. Es gab die obligatorischen Großraum-Diskos, das fing damals an, mit Lasershow und allen möglichen Zusatz-Bespaßungen. Keine ernsthaft zu erwägende Option. Und es gab zwei Läden, die manchmal lustig waren und meistens deprimierend. Und vor allem total weit voneinander entfernt, so dass man nicht mal eben in den nächsten gehen konnte, wenn man sich zuerst für den falschen entschieden hatte. Und vielleicht war der zweite ja noch schlimmer, und dann war man von A nach B gefahren, für nichts und wieder nichts. Abgesehen davon brauchte man einen Fahrer, der durfte nichts trinken. Meine Schwester ist einmal in einer fröhlichen Fahrgemeinschaft von der Disko nach Hause gefahren und alle waren sehr stolz auf den Fahrer, der aber auch nicht ein einziges Bier getrunken hatte. Wie es der Zufall wollte, wurden sie von der Polizei angehalten. Als der Polizist – wohlgemerkt, einer der beiden Polizisten des Landkreises – seinen Kopf gen Wagenfenster neigte, schallte es ihm fünfstimmig und reichlich alkoholgeschwängert entgegen: “Pusten! Pusten! Pusten!” Der Polizist zeigte sich relativ unbeeindruckt und schnarrte lediglich: “Fünf Leute nicht angeschnallt, macht 200 Mark”. So kann man auch Stimmung töten.

Was wird als Nächstes passieren? Weiter geht’s in Teil 2: Von Norden nach Osten


Julia Ritter in • BerlinGeschichten am 01. Januar 2007
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