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De gustibus non est disputandum

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Videothek in Schöneberg. Ein weiteres schönes Beispiel für Werbeumfeldsensibilität. Oder den Mangel daran.


Julia Ritter in • BerlinKonsumWerbung am 05. Februar 2012
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Winter in Brandenburg

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Julia Ritter in • AlltagBerlin am 11. Januar 2009
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Als ich mit Paris Hilton auf der Verkehrsinsel saß

Vor ein paar Nächten saß ich an einer dieser Bank-Tisch-Kombinationen, wie man sie oft an Autobahn-Rastplätzen vorfindet. Das Rastplatzmöbel stand auf einer Verkehrsinsel, und um die Verkehrsinsel herum plätscherte der spätnächtliche Verkehr. Neben mir saß jemand, an den ich mich nicht mehr erinnere und gegenüber Paris Hilton. Sie redete sehr engagiert auf mich ein und versuchte mich davon zu überzeugen, dass wir unbedingt zum McDonald’s am Kaiserdamm fahren müssen, weil da nämlich die allercoolsten Parties abgehen. Paris: “Ich fahr da immer hin, das ist super, nur zwei Stationen mit der U-Bahn!”

Ich überlegte noch, an welcher U-Bahn-Linie Paris Hilton dann wohnt und ob sie wohl ständig angequatscht wird, wenn sie so mit der BVG durch die Gegend gondelt, oder ob die Berliner doch so desinteressiert an jeglicher Prominenz sind, dass sie auch die Queen des für-eigentlich-Nichts-Berühmtseins ignorieren (schließlich schien sie in Westberlin zu wohnen und nicht in Prenzlberg), da verwandelte sich Paris in ein kleines, zart blassrosa Kaninchen und versteckte sich hinter einem Grasbüschel.

Wir sind dann nicht zu McDonald’s am Kaiserdamm gefahren. Da gibt es auch gar keinen.

Vorher:

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Anmerkung: Nein, dies hier mutiert jetzt nicht zum rein fiktionalen Blog. Ich scheine allerdings vor lauter Arbeit kaum noch was Spannendes zu erleben, daher verlagert sich mein Wunsch nach Glamour ins Traumleben. Und das auch noch mit Traffic-treibenden Protagonisten. Der Traum ist eine Wunscherfüllung?

Nachher:

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Foto: istockphoto


Julia Ritter in • AlltagBerlinGeschichtenKultur am 13. Mai 2008
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Besser ist das

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Julia Ritter in • AlltagBerlinKultur am 20. März 2008
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Hundstage (Stadt Land Fluss 4)

Manchmal fahre ich aufs Land und besuche meine Familie. Das ist meistens sehr nett. Meine Eltern waren während meiner Kindheit und Jugend eher konservativ in ihrem Erziehungsstil. Nun, da ihre leiblichen Kinder ausgezogen sind, haben sie ihre Liebe zur antiautoritären Pädagogik entdeckt, die sie allerdings weniger an ihren Enkeln ausleben als vielmehr an ihren diversen Hunden.

Ich glaube nicht, dass Hunde mit enthierarchisierten Führungsstrukturen viel anfangen können. Die Hunde meiner Eltern machen jedenfalls nicht den Eindruck. Orientierungslos und nach Anleitung heischend zernagen sie jahrhundertealte Türgriffe und Stuhlbeine, pinkeln auf Sofakissen und benehmen sich ganz allgemein daneben. Natürlich beißen sie auch die Kinder und Kindeskinder meiner Eltern – dieses von uns sehr unwillkommene Verhalten wird dann umgehend damit entschuldigt, dass die armen Hunde sich zurückgesetzt fühlen und überhaupt wir (die menschlichen Nachkommen) sicher irgendetwas falsch gemacht hätten. Ich bin immer wieder erstaunt, zu welchem Einfühlungsvermögen meine Eltern plötzlich fähig sind. Sie wissen, dass die Hunde leiden, wenn sie nicht wie gewohnt an den familiären Mahlzeiten teilnehmen dürfen, und so liegen sie – die Hunde – denn auf und unter unseren Füßen, springen zwischendurch auf, um ohne jeden erkennbaren Anlass zu bellen und schwängern vor allem die Luft mit den Nebenprodukten ihrer sensiblen Verdauung. Letzteres der Hauptgrund, weshalb wir immer wieder versuchen, sie unauffällig nach draußen zu befördern. “Unauffällig” ist in diesem Zusammenhang leider keine Option.

Meine Eltern sind außerdem der festen Überzeugung, die Hunde müssten jeden Morgen spätestens um sechs Uhr in den Garten, um sich zu erleichtern. Als ich jedoch einmal Haus und Tiere hütete, weil meine Eltern verreist waren, wachte ich gegen zehn auf, neben bzw. auf mir zwei sehr verschlafene und ob meiner plötzlichen Unruhe nahezu empörte Hunde. Ich glaube, sie machen den morgendlichen Zampano nur ihren rechtmäßigen Besitzern zuliebe und waren froh, endlich mal ausschlafen zu können.

Meine Eltern sind immer sehr beglückt, wenn ich sie besuche. Ich auch. Ich werde verwöhnt, wie es sich gehört, gehe am Fluss spazieren (ohne Hunde ein beschauliches, entspannendes Erlebnis), genieße es, mal wieder den Horizont zu sehen, freue mich, morgens nichts als Vogelgezwitscher zu hören und kriege nach drei Tagen einen Rappel. Dann fahre ich zurück nach Berlin und denke: Endlich zuhause.


Julia Ritter in • BerlinGeschichten am 01. März 2008
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Großstadtrauschen (Stadt Land Fluss 3)

Inzwischen lebe ich viele Jahre in Kreuzberg. Das ist nett, weil ich nun die Anonymität der Großstadt und die dörfliche Gemeinschaft habe. Und es ist lustig, wie die Kreuzberger immer wieder nachwachsen (oder –ziehen). Es gibt immer mal wieder neue Altrocker, neue Punks, neue bewusste, lebensbejahende Gutmenschen und neue Freaks. Und alle anderen.

Unter mir zum Beispiel hat ein lustiger Italiener sein Restaurant, der extrem gut kochen kann und extrem wenig Rücksicht auf seine Nachbarn nimmt. Gegen 23:44 findet er oft, dass ein Restaurant zwar ganz schön ist, ein Club zu so später Stunde aber auch eine feine Sache, und dreht die Musik auf. Sein Musikgeschmack ist zum Glück über fast jede Kritik erhaben, aber nicht jeder Song hört sich auch durch die Wand noch gut an. Wenn man nur die Bässe hört, die dafür auch durch Ohropax, ist das nicht schön. Wenn man jedes Wort vom Text versteht aber auch nicht. Aus Gründen, die mir selbst nicht ganz einleuchten, bin ich trotzdem selten sauer auf den Italiener und seine ebenfalls italienische Crew – an ihrer Nationalität liegt es nicht, da habe ich keine besonderen Vorlieben, höchstens vielleicht, wenn es nette Iren wären oder eventuell Isländer – fängt auch beides mit “I” an.
Dafür verspüre ich manchmal reinen, blanken Hass auf die Gäste. Vor allem, wenn sie in lauen Sommernächten draußen in ihre Geburtstage reinfeiern und jede, aber auch jede Nacht, die der Herr werden ließ, “Happy Birthday” singen. Ich finde, es sollte jemand einen neuen Geburtstagssong komponieren und damit auf mindestens fünf Generationen schweinereich werden, so wie Hugh Grants Vater bei “About a Boy”. Ich verstehe überhaupt nicht, warum Happy Birthday so unangefochten seit Jahrzehnten auf Platz Eins der Geburtstags-Charts festsitzt. Vielleicht liegt es an Marilyn Monroe, jedenfalls ist es ist die Bibel unter den Geburtstags-Songs.

So sind meine Nächte akustisch eingerahmt vom Sound des Großstadt-Kiezes, denn morgens ab 6 kommt der Aldi-Laster. Der Laster an sich ist nicht laut, weil er, im Gegensatz zum zwei Stunden später eintreffenden Kühllaster, den Motor nicht laufen lässt. Aber die Aldi-Ware wird auf ungefederten und nicht gummibereiften Palettenwagen über ein kleines, aber ausschlaggebendes Stück Kopfsteinpflaster gerollt. Und das ist laut. Zu bestimmten Jahreszeiten rotten sich ab 5:30 außerdem mittlere Kleingruppen von nicht deutschsprachigen Männern zusammen, die nach ca. halbstündiger Unterhaltung mit einem Pritschenwagen abdüsen. Ein-Euro-Jobber? Albanische Schwarzarbeiter auf dem Weg nach Polen? Ich weiß es nicht, ich verstehe sie nicht, obwohl, akustisch ja schon.

Wird jemals wieder Ruhe einkehren? Vielleicht an den Hundstagen?


Julia Ritter in • BerlinGeschichten am 01. März 2008
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Ich be-be-be-bin ein Berliner

Ich glaube, mit dem tollen neuen Berlin-Slogan “Be Berlin”, der ja wohl noch gar nicht so richtig offiziell ist, wird es sich ähnlich verhalten wie mit diesen ganzen angeblichen “Berliner Schnauze”-Bezeichnungen wie “Lippenstift und Puderdose” (Gedächtniskirche), “Schwangere Auster” (Haus der Kulturen der Welt) oder “Erichs Lampenladen” (Palast der Republik): Außer in einschlägigen Vorabendserien, auf Grußpostkarten und in Reiseführern finden sie kaum Anwendung. “Be Berlin” wird wohl auch hauptsächlich das Feuilleton, die Werbewelt und die Blogs beschäftigen. Insofern ist es relativ egal, ob wir nun nach Deutschland auch noch Berlin sein sollen. Nur: 10,9 Mio. Euro Etat?! Das wirft schon Fragen auf.

If German was good enough for JFK, it should be good enough for Wowi - right?


Julia Ritter in • BerlinKulturWerbung am 25. Februar 2008
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Von Norden nach Osten (Stadt Land Fluss 2)

Als ich in die 12. Klasse kam, machten wir eine “Studienfahrt” nach Berlin und in die DDR. Die Studienfahrten wurden Leistungskurs-abhängig zugewiesen, und der LK Gemeinschaftskunde war geschlossen erbost, fuhren doch der Englisch-LK nach London und der Französisch-LK nach Paris. Was die Naturwissenschaftler gemacht haben, weiß ich nicht mehr. Mein zweiter Leistungskurs war Englisch, aber aus irgendwelchen Gründen musste ich trotzdem in die damals noch vollkommen unglamouröse DDR fahren. Ich konnte mich noch an die Tampons erinnern, die meine Schwester als lustiges Anschauungsmaterial von einer Schwimmvereinsreise aus Polen mitgebracht hatte. Diese polnischen Tampons und die Tatsache, dass mein Vater auf jede seiner relativ häufigen DDR-Reisen Klopapier mitnahm, weil er sich mit dem DDR-Klopapier höchstens die Nägel feilen würde, ließen nichts Gutes hoffen. Zumindest nicht, was die Intimhygienebedingungen im Osten anging. So war das damals mit den Vorurteilen im Westen.

Trotz der bösen Vorahnungen war unsere Studienfahrt sehr viel lustiger, als die blöden Metropolenreisen der anderen. Ich kann mich an keinerlei Zellstoffprodukte erinnern, aber wir hatten einen netten Abend mit der ortsansässigen FDJ-Führung (hieß das Führung? Wahrscheinlich nicht. Es hieß ja auch Stadtbilderklärer und nicht -führer). Und ich hatte endlich den Ort gefunden, an dem ich mich nicht fehl am Platze fühlte: Berlin. In Berlin kann und konnte man schon damals kaum auffallen. Ich liebte diese Anonymität der Großstadt. Ich liebe sie noch heute. Sobald ich Abi gemacht und das obligatorische Jahr in den USA als ausgebeutetes Au Pair verbracht hatte – in meinem Falle in New Orleans, einer Stadt, zu der ich eine ausgeprägte Hassliebe entwickelte – zog ich nach Berlin. Und nach einigen Irrungen und Wirrungen zwischen Schlachtensee und Moabit dann nach Kreuzberg. Die erste Kreuzberger Wohnung, die ich besichtigte – zu schlimmsten Wohnungsnotzeiten – wurde unter der Bedingung angeboten, dass man sich selbst um die Entrümpelung zu kümmern habe. Entrümpelung klingt nach altem Gerümpel. In der Wohnung gab es aber nicht das, was man sich so unter altem Gerümpel vorstellt. Sie sah aus, als sei der Mieter mal eben Brötchen holen gegangen. Soll heißen: Sie war komplett eingerichtet und wirkte, nun ja, sehr bewohnt. So als könne der Bewohner jederzeit zur Tür hereinkommen. Ich fand das etwas unheimlich und sehr faszinierend, und bis heute frage ich mich, was aus dem Mieter dieser Wohnung – die inzwischen übrigens Toplage-Status haben dürfte – geworden ist. Ob er wohl jemals wieder gekommen ist und was sein Nachmieter dann gemacht hat. Ich wurde nicht seine Nachmieterin; warum, weiß ich nicht. War aber vielleicht besser so; ich wäre mit dem Spätheimkehrer-Vormieter sicher überfordert gewesen. Und hätte mich nicht getraut, seinen ganzen Kram loszuschlagen. Mit seiner Vergangenheit und meiner hoffnungsvollen Gegenwart wäre es in der Wohnung einfach zu voll geworden.

Und was ist mit der Zukunft? Die bringt Großstadtrauschen!


Julia Ritter in • BerlinGeschichten am 01. Februar 2008
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Werbeumfeldsensibilität

Werbeumfeldsensibilität ist ein schönes, weil langes und Deutsch und Latein vereinendes Wort, das mir sofort in den Sinn kam, als ich das folgende Schlussverkauf-Schild in den Potsdamer Platz Arkaden sah. (Schlussverkauf gibt es schon lange nicht mehr, ich weiß, aber das hindert ja niemanden dran, so zu tun, als gäbe es ihn noch). Hier also das Banner:

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Ein nicht gerade subtiler, aber eindeutiger Spruch. Die Frage ist nur, wie die Kundinnen des direkt nebenan gelegenen Geschäfts den finden. Denn dort, bei Ulla Popken nämlich, gibt es “junge Mode ab Größe 42”:

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Ich kann mir vorstellen, dass Frauen, die junge Mode ab Größe 42 kaufen, nach dem Hinweis auf fette Räumungen und radikale Diäten eher keine große Lust auf eine Handtasche von Anna Stern verspüren.

Fazit: Null Werbeumfeldsensibilität.


Julia Ritter in • BerlinWerbung am 26. Januar 2008
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In den Pilzen

Ab und zu braucht man - und “man” bedeutet in den allermeisten Fällen “ich”, man (haha) denke nur an die vielen Interviews auf Privatsendern oder mit Fußballspielern, die Dinge sagen wie “da fühlt man sich schon unter Druck” - aber ich schweife ab, also: Ab und zu braucht man ein bisschen Erholung von der großen, lauten Stadt. Nicht zuviel Erholung, das wird schnell langweilig, vor allem wenn man (so wie ich) auf dem Land aufgewachsen ist und damit sozusagen schon mit 16 genug ländliche Erholung für ein ganzes Lebensalter hatte. Dann reicht ein kleiner Ausflug ins Umland, der durch den added benefit der kostenlosen Nahrungsmittelbeschaffung noch attraktiver wird. Und deswegen war ich letztes Wochenende in den Pilzen. Die gab es haufenweise und sie schmeckten gut. Nicht diese hier:

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Aber diese:

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Wie Wiglaf Droste einmal sinngemäß schrieb: Die schlimmsten Feinde des Pilzesuchers sind die Schnecken und die Rentner. Beide schienen nicht in großen Zahlen unterwegs gewesen zu sein, denn es gab massig Pilze, von denen allerdings sehr viele einfach matschig waren. Weitere Bedrohungen für Pilz und Pilzfreund scheinen also zuviel Feuchtigkeit und Schimmel zu sein. Der Pilz ist des Pilzes Feind, so ist das.


Julia Ritter in • AlltagBerlin am 30. September 2007
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