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Als ich mit Paris Hilton auf der Verkehrsinsel saß

Vor ein paar Nächten saß ich an einer dieser Bank-Tisch-Kombinationen, wie man sie oft an Autobahn-Rastplätzen vorfindet. Das Rastplatzmöbel stand auf einer Verkehrsinsel, und um die Verkehrsinsel herum plätscherte der spätnächtliche Verkehr. Neben mir saß jemand, an den ich mich nicht mehr erinnere und gegenüber Paris Hilton. Sie redete sehr engagiert auf mich ein und versuchte mich davon zu überzeugen, dass wir unbedingt zum McDonald’s am Kaiserdamm fahren müssen, weil da nämlich die allercoolsten Parties abgehen. Paris: “Ich fahr da immer hin, das ist super, nur zwei Stationen mit der U-Bahn!”

Ich überlegte noch, an welcher U-Bahn-Linie Paris Hilton dann wohnt und ob sie wohl ständig angequatscht wird, wenn sie so mit der BVG durch die Gegend gondelt, oder ob die Berliner doch so desinteressiert an jeglicher Prominenz sind, dass sie auch die Queen des für-eigentlich-Nichts-Berühmtseins ignorieren (schließlich schien sie in Westberlin zu wohnen und nicht in Prenzlberg), da verwandelte sich Paris in ein kleines, zart blassrosa Kaninchen und versteckte sich hinter einem Grasbüschel.

Wir sind dann nicht zu McDonald’s am Kaiserdamm gefahren. Da gibt es auch gar keinen.

Vorher:

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Anmerkung: Nein, dies hier mutiert jetzt nicht zum rein fiktionalen Blog. Ich scheine allerdings vor lauter Arbeit kaum noch was Spannendes zu erleben, daher verlagert sich mein Wunsch nach Glamour ins Traumleben. Und das auch noch mit Traffic-treibenden Protagonisten. Der Traum ist eine Wunscherfüllung?

Nachher:

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Foto: istockphoto


Julia Ritter in • AlltagBerlinGeschichtenKultur am 13. Mai 2008
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Blut ist dicker als Wasser

Ich mag Stöckchen nicht so gerne. Es muss am Namen liegen. Und daran, dass dabei immer eher, sagen wir mal: arbiträre Informationen erfragt werden. Aber wenn mir meine eigene Schwester eins hinwirft, renn ich trotzdem los - braver Hund.

Die Aufgabe also: Ich schlage ein in meiner Nähe liegendes Buch mit mindestens 123 Seiten auf Seite 123 auf, schreibe die Sätze 5-7 auf Seite 123 hier hin und fordere dann fünf andere nichtsahnende Seelen auf, es mir nachzutun.

Meinen spannenden Krimi hab ich leider schon durch, also schnappe ich mir jetzt ein vor mir stehendes Buch, dessen Titel mir vermutlich wieder viele enttäuschte einmal-und-nie-wieder-Besucher einbringen wird: More Sex Is Safer Sex: The Unconventional Wisdom of Economics, von Steven E. Landsburg.

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Auf Seite 123 steht da:

“Being human, they tend to take a special interest in their own students and are therefore tempted to give those students a boost at the expense of the anonymous strangers who signed up for someone else’s class. Besides, easy graders are more popular on campus. The costs of leniency - measured in lost reputation - are spread over the entire school, while the benefits are concentrated in the professor’s own classroom.”

Spannend, was? Wie gut, dass ich nicht gerade Auf der Suche nach der verlorenen Zeit lese. Aber das hat ja schon Jochen Schmidt öffentlich getan. Außerdem lese ich dieses Buch auch gar nicht, es stand nur in der Nähe. Vielleicht sollte ich.

Ganz abgesehen davon ist es hier wie es schon immer war mit Kettenbriefen: Bis ich dran bin, haben alle schon und ich finde keine fünf Leute, die nicht gleich müde abwinken. Dann hab ich das Gefühl, überhaupt keine Freunde und/oder Bekannten zu haben und komplett unbeliebt zu sein. Bevor ich darüber zu eingehend nachdenke, betrachte ich das Experiment lieber als beendet.


Julia Ritter in • AlltagKultur am 31. März 2008
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Besser ist das

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Julia Ritter in • AlltagBerlinKultur am 20. März 2008
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Mark all read

Ich benutze zum Bloglesen das sehr übersichtliche Beta Bloglines (gibt’s auch als normales Alpha). Das ist praktisch und angenehm, weil ich meine Lieblingsblogs gleich auf der Übersichtsseite habe, schnell alle neuen Artikel scannen kann und vor allem bei einigen Blogs auch Beiträge im Volltext angezeigt kriege, bei denen ich im Blog selbst immer erst extra auf “weiter…” oder einen ähnlich sinnreich betexteten Link klicken müsste. (Außer bei Riesenmaschine, da stehen immer diese Platzhalter-Sätze drin, aber manchmal reichen die auch schon aus zur Stimmungsverbesserung).

Wenn ich allerdings ein paar Tage oder gar eine Woche lang nicht dazu gekommen bin, irgendwelche Blogs zu lesen, weil ich nämlich zuerst wie blöd gearbeitet habe, dann auf der Buchmesse war (nur als Zuschauer, als wenn sie davon nicht genug gehabt hätten) und dann wieder wie blöd gearbeitet habe - dann können “2144 new” Blogbeiträge durchaus zu Überforderungssymptomen führen: Widerstände, Bloglines überhaupt aufzurufen, nervöses Hin- und Herflackern des Blicks zwischen den einzelnen Blogs, flacher Atem, man kennt das ja. Wie erleichternd daher, dass die Lösung, wie leider nicht oft genug im Netz, nur einen Klick entfernt ist: “Mark all feeds read”. Versteckt sich etwas in einem Drop-down-Menü unter einem nichtssagenden Pfeil, aber immerhin.

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Das Schöne ist ja: Selbst wenn ein superinteressanter Post dabei war - es kommen auch wieder neue. Schade nur, dass das mit Rechnungen etc. nicht geht. “Mark all invoices paid” wäre eine große Alltagserleichterung.

Und: Wer keine Blogs liest, hat dies Problem natürlich überhaupt nicht. Dafür aber bestimmt andere.


Julia Ritter in • AlltagKulturMedien am 17. März 2008
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Anruf von debiltel

Ich nehme mal an, dass die Arbeit in einem Outbound-Callcenter nicht besonders viel Spaß macht. Ständig muss man Leute anrufen, die sich dadurch gestört fühlen, und ihnen mit gut gelaunter Telefonstimme (immer lächeln beim Telefonieren!) Dinge und Dienstleistungen anbieten, die sie nicht haben wollen. Da haben es die Kollegen im Service-Callcenter sehr viel besser, denn die haben nur selten Kundenkontakt und müssen höchstens mal alle drei Wochen das Band mit dem Warteschleifensong wechseln (ach nein, das geht wahrscheinlich alles digital, klingt allerdings wie von meinem ersten Mono-Kassettenrekorder).

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Auch ein verbitterter Callcenter-Mitarbeiter?

Also: Hohes Stress- und Frustpotenzial im Outbound-Callcenter. Auch bei debitel, von wo ich heute einen Anruf bekam. Der (zunächst noch) freundliche Mitarbeiter wollte mir “an diesem schönen Montagnachmittag” (arbeiten die jetzt von Barbados aus?) mitteilen, dass es ja nun “bald wieder an der Zeit für ein neues Mobiltelefon ist” (finde ich auch) und ja meine Vertragsverlängerung ausstünde. Ich erklärte ihm, dass das nicht ganz richtig sei, weil ich den Vertrag nämlich kündigen werde. Er wollte wissen, warum - schon nicht mehr so gut gelaunt. Ich sagte ihm, warum (viel zu teuer und das dank falscher Beratung). Daraufhin schlug seine Stimmung ganz um und er erklärte mir, dass ich damit ja schon ganz schön spät dran sei und er es gar nicht toll fände, wenn die Kunden alle einfach auf den letzten Drücker kündigen und ich mich deshalb jetzt mal ranhalten solle. Nundenn, das werde ich tun.

Gibt es das eigentlich inzwischen schon als literarisches Genre: Callcenter-Passionsgeschichten?


Julia Ritter in • AlltagKonsum am 03. März 2008
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Neues Genre: amazon-Kommentarprosa

Stifte und Schriftsteller verbindet auch im digitalen Zeitalter eine ebenso enge wie komplexe Beziehung. Der eine kann nicht ohne den anderen erschaffen. Einem der Klassiker unter den Stiften, dem Bic Crystal Kugelschreiber in schwarz, wurde nun in Form von Kundenempfehlungen auf amazon.co.uk die ihm gebührende Ehre erwiesen. Runterscrollen lohnt sich.

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Tor ins Reich der Finsternis oder Linguini-Spule?

Fundort: Seth Godin


Julia Ritter in • AlltagKonsumKultur am 12. Dezember 2007
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Geschafft!

Jetzt weiß ich, wieviel 50.000 Wörter sind. In Seiten umgerechnet, meine ich. Nämlich 1.5-zeilig in Arial 10 pt. und mit ein paar extra Seitenumbrüchen: 177 Seiten. Erstaunlicherweise lässt sich das ohne allzu große Probleme innerhalb von einem Monat produzieren, denn genau das habe ich im Rahmen des National Novel Writing Month getan, ohne bleibende Schäden davonzutragen.

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Wow, passt das farblich schlecht rein hier!

Was man dabei alles lernen kann, werde ich demnächst nebenan im ferryblog zum Besten geben. Aber nicht heute, heute muss ich mich ausruhen.


Julia Ritter in • AlltagKreativität am 02. Dezember 2007
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Schreiben, als ob es kein Morgen gäbe

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Ich hab’s getan. Ich hab mich beim National Novel Writing Month angemeldet und damit offiziell erklärt, dass ich in den kommenden 30 Tagen 50.000 Wörter schreiben werde, die zusammengenomen sowas wie einen Roman ergeben. Ich hab keine Ahnung, wie viel 50.000 Wörter sind, obwohl ich das aus beruflichen Gründen eigentlich wissen sollte, aber selbst die längste Longcopy bewegt sich doch in anderen Dimensionen.

Was ist der “National Novel Writing Month”?

Als ich zum ersten Mal vom NaNoWriMo gehört hatte, war ich schwerst beeindruckt von der Literaturbegeisterung der USA - ein ganzer Monat zum Nationalromanschreibemonat erklärt - und das jedes Jahr! Wow! Zu meiner Entschuldigung sei gesagt, dass es schließlich alle möglichen sonderbaren Gedenktage, -wochen und -monate in den Vereinigten Staaten gibt, von denen aber auch nur ein Bruchteil tatsächlich richtig offiziell zu sein scheint. Das nur als ein weiteres Beispiel dafür, dass die USA ein Land sind, dessen Sinn und Zweck von jedem einzelnen Bürger frei interpretierbar sind.

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Nicht ganz realitätsnah, aber pittoresker als mein Laptop

Zurück zum NaNoWriMo: Der wurde zum ersten Mal im Juli 1999 von einer Gruppe Kalifornier veranstaltet, die dachten, dass es erstens eine coole Sache sei, einen Roman zu schreiben, die zweitens zu mehr und besseren Dates führen könnte, aber drittens nicht das ganze Leben lang dauern sollte.

Also beschlossen sie, einen Monat lang zu schreiben, um danach einen Roman oder zumindest eine komplette Rohfassung zu haben. Nach und nach (und unterstützt durch Blogpromotion) wurde der NaNoWriMo immer bekannter, und aus der Handvoll Kalifornier sind inzwischen 90.000 Teilnehmer aus aller Welt geworden (das stimmt so natürlich nicht ganz, die Handvoll Kalifornier sind immer noch eine Handvoll Kalifornier, aber beim NaNoWriMo geht es unter anderem darum, schräge Metaphern und unsaubere Formulierungen zu tolerieren und einfach immer weiter zu schreiben).

Damit wären wir auch schon beim Grundprinzip des NaNoWriMo: Möglichst schnell möglichst viel schreiben. Ohne Überarbeitungen. Ohne Rechtschreibprüfung. Ohne Hemmungen.

50.000 Wörter in 30 Tagen. Das sind 1.667 Wörter am Tag. Na dann.


Julia Ritter in • AlltagKreativitätKultur am 31. Oktober 2007
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Das T-Shirt für die Digitale Bohème

Auf dem 9to5-Festival gab es ja noch diese putzigen T-Shirts zum Verschönernlassen (“Customizing”) und mit verschiedenen Sprüchen drauf, unter anderem “Lauf nach Hause, kleiner Hund”. Jetzt kann der kleine Hund, bzw. der Digitalbohèmien oder, wie mein Lieblings-Weltkommentator sagen würde, der Internetjüngling bzw. sein weibliches Gegenstück (dafür hat er mangels Verachtung leider keine schöne Bezeichnung) endlich mal das Hemd wechseln. Denn jetzt gibt es ein T-Shirt mit WLAN-Homing-Device, das Hemd, das WLAN-Netze erkennt und anzeigt. Damit man dazu nicht immer an sich selbst heruntergucken muss, als wäre man besorgt, sich mit Frühstücksei bekleckert zu haben, empfiehlt es sich, auch sämtliche Partner / Kollegen / Viertelmitbewohner mit solchen Hemden auszustatten, um so ein WLANanzeigefähiges Gegenüber zu haben. Im Bestfall erspart man sich dadurch das Selbsttragen, denn der klassische T-Shirt-Schnitt ist zumindest für Frauen wenig kleidsam.

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Die klugen Leute von Boing Boing Gadgets, wo ich das Funktionsshirt gefunden habe, wünschen sich fürs nächste Update eine Zusatzanzeige für offene Netze. Dem kann ich mich nur anschließen.


Julia Ritter in • AlltagKonsumKultur am 06. Oktober 2007
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In den Pilzen

Ab und zu braucht man - und “man” bedeutet in den allermeisten Fällen “ich”, man (haha) denke nur an die vielen Interviews auf Privatsendern oder mit Fußballspielern, die Dinge sagen wie “da fühlt man sich schon unter Druck” - aber ich schweife ab, also: Ab und zu braucht man ein bisschen Erholung von der großen, lauten Stadt. Nicht zuviel Erholung, das wird schnell langweilig, vor allem wenn man (so wie ich) auf dem Land aufgewachsen ist und damit sozusagen schon mit 16 genug ländliche Erholung für ein ganzes Lebensalter hatte. Dann reicht ein kleiner Ausflug ins Umland, der durch den added benefit der kostenlosen Nahrungsmittelbeschaffung noch attraktiver wird. Und deswegen war ich letztes Wochenende in den Pilzen. Die gab es haufenweise und sie schmeckten gut. Nicht diese hier:

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Aber diese:

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Wie Wiglaf Droste einmal sinngemäß schrieb: Die schlimmsten Feinde des Pilzesuchers sind die Schnecken und die Rentner. Beide schienen nicht in großen Zahlen unterwegs gewesen zu sein, denn es gab massig Pilze, von denen allerdings sehr viele einfach matschig waren. Weitere Bedrohungen für Pilz und Pilzfreund scheinen also zuviel Feuchtigkeit und Schimmel zu sein. Der Pilz ist des Pilzes Feind, so ist das.


Julia Ritter in • AlltagBerlin am 30. September 2007
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