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Harry Potter light

Ich habe ja leider in vielen Dingen einen so dermaßen vermainstreamten Geschmack, dass ich mich oft in Situationen wiederfinde, die ich eigentlich nicht so mag. Zum Beispiel mit ungefähr 500 Berlinern und Berlinbesuchern aus aller Welt (ehrlich gesagt sahen sehr viele aus wie Iren, nämlich rothaarig - oder waren es gar Weasleys?) an der Kinokasse im Sony Center. Auch diesmal blieb das Sony Center entgegen den düsteren Prophezeiungen meiner Begleitung von Selbstmordattentaten verschont, und so konnten wir uns von der Weltpolitik unbehelligt im klimatisierten Kinosaal Harry Potter and the Order of the Phoenix ansehen. Nachdem der letzte Film der Reihe wohl etwas zu lang ausgefallen war, wurde in diesem leider sehr viele Dimensionen des Buches ausgelassen, bzw. nur kurz gestreift. Zum Beispiel die Beziehungen zwischen den verschiedenen magischen Kreaturen (Hexen/Zauberer, Zentauren, Elfen) und überhaupt die für ein Kinderbuch eigentlich sehr komplexen politischen Verwicklungen und Motivationen. Das war nicht weiter verwunderlich. Mehr überrascht hat mich, dass so viele der actiongeladenen Szenen zum Schluss des Buchs ausgelassen wurden - es hätte mich interessiert, was die Szenenbildner und Ausstatter aus diesen ganzen seltsamen Räumen im Department of Mysteries machen.

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Insgesamt wirkte der Film wieder wie eine Light-Version des Buches - unterhaltsam, aber etwas fehlte. Nun ist allerdings das Buch zum Film (haha) auch eher das Durchgangszimmer der Reihe - es passiert alles mögliche und es gibt auch einen Klimax, aber keinen richtigen Anfang und keinen richtigen Schluss. Das fällt beim Film vielleicht noch mehr auf. Und vielleicht ist es auch nicht ganz unbeabsichtigt, denn schon am Samstag kommt schließlich der letzte Band der Reihe (auf Englisch) raus, sozusagen zur Befriedigung der unerfüllten Erwartungen. Ob die wirkt, wird sich zeigen.

Mit einigermaßen hartgesottenen Kindern ab 11 kann man den Film übrigens ruhig sehen. Allerdings enthält man auch denen viel vor, wenn man nicht vorher (!) das Buch mit ihnen liest.

Am interessantesten am gestrigen Kinoabend fand ich allerdings die Tatsache, dass im Dezember die Verfilmung des ersten Bandes eines meiner Lieblingsbücher ins Kino kommt: Der Goldene Kompass, erster Teil einer Trilogie von Philip Pullman - Fantasy für Leute, die kein Fantasy mögen, mit literarischen Wurzeln bei Milton, gleichzeitig vollkommen dreist allumfassend, sehr genial und extrem spannend. Bis Dezember bleibt noch mehr als genug Zeit, mindestens den ersten Band zu lesen. Nach Teil 7 von Harry Potter.

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Link zum Golden Compass Trailer auf youtube


Julia Ritter in • AlltagBerlinKultur am 18. Juli 2007
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Rezensionsfreudig und der englischen Sprache mächtig?

Das Kunstneigungsgruppe monochrom sucht für die nächste Ausgabe ihres neuen Jahrbuchs monochrom #26-34 noch Beiträge aller Art. Wirklich aller Art. Insbesondere wollen sich die Herausgeber auf Rezensionen konzentrieren, und auch hier gilt: alle Arten von Rezensionen. Und alles darf rezensiert werden. Wer also schon immer mal sein informiertes Urteil über irgendwas kundtun wollte, kann dies nunmehr tun und das Ergebnis an monochrom senden. Was die Rezensionsobjekte betrifft, hat die Redaktion ein paar Vorschläge gemacht, um die Weite des Feldes anzudeuten:

Want to review a certain medieval war? Or arctic sea protozoans? Laws of nature? Climate zones? Ways to die? Lava streams? Spam headers? Demonstrations? Sumerian gods? Neon feelings? A crisis? The different types of snow in Stephen King novels? Book shelves in porn movies? Kosher hot dogs? Axiology? Sperm? Johann Sebastian Bach? German officers in American movies who shout “Schweinerei”? Russian oil pumps?  Calvinistic prayers?  Trash cans in Kansas and/or Lithuania? Anal sex? The Northwest as an ontological entity? Perfect! Go on!

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Sicher auch rezensierbar: Suppenkreationen - Konzeptkunst oder Nahrungsmittel? (Photo: iStockphoto)

Voraussetzung ist allerdings, dass die Rezension (und auch jeder andere Beitrag) auf Englisch verfasst wird. Denn die monochrom-Jahresschrift ist “gebenedeit unter den Illustrierten”. Und wie schon der Opa meiner Chicagoer Studienfreundin sagte: “If English was good enough for Jesus, it’s good enough for you!”

Link zum Call for Everything


Julia Ritter in • KulturMedien am 11. Juli 2007
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Der perfekte (naja) Laptop-Schutz

Wenn man mit dem Laptop in der Öffentlichkeit rumdaddelt

arbeitet, zum Beispiel im Café, kommt meistens irgendwann der Moment, da man dringend auf Klo muss. Dann braucht man jemanden, der auf den Computer aufpasst, denn dem Laptop ist es egal, wessen Lap er toppt, zumindest kann er sich nicht wehren, wenn ein Unbefugter ihn mitnimmt. Aber jetzt gibt es Verstärkung für den wehrlosen Rechner, nämlich den zwar ebenfalls kleinen und eigentlich relativ leicht wegzutransportierenden, dafür aber wortstarken Desktop Bouncer.

Texte von Textferry.de

Den verstöpselt man per Kabel mit dem zu beschützenden Rechner, und sobald sich jemand nähert (das merkt der Mini-Türsteher durch den eingebauten Bewegungsmelder), grunzt er den Eindringling mit einem von sechs Sprüchen an:
“You’re not welcome ‘ere” (naja)
“Your name’s not down, you’re not comin’ in” (okay)
“You’re not comin’ anywhere near here lookin’ like that” (muss er grade sagen)
“Not today mate”
“Come over ‘ere if you think you’re hard enough” (bei der Größe vielleicht nicht so ratsam)
“You’re cruisin’ for a bruisin’’ (mein persönlicher Favorit)

Fundort: PopGadget


Julia Ritter in • Kultur am 09. Juli 2007
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To fish or not to fish

Als Fisch muss man sich flexibel zeigen im amerikanischen Schmelztiegel. Standen Fische letzte Woche noch unter dem besonderen Schutz der “Fish are friends, not food”-Kampagne von PETA (“fish have feelings, too - hold the sushi!”), müssen sie heute bereits wieder zittern, denn heute beginnt die National Fishing Week. Gegen den Strom schwimmen ist wahrscheinlich nichts im Vergleich zu so einem Kreuzfeuer der Aktionswochen. 

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PETA Fisch-Maskottchen (Nemo hat vermutlich zuviel Gage gefordert)

Texte von Textferry.de

National Fishing Week Maskotchen von 1996 (für dieses Jahr gibt es kein schönes Maskottchen, leider, vielleicht ist Hollywood ganz allgemein zu gierig geworden?)


Julia Ritter in • AlltagKonsumKultur am 02. Juli 2007
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Blogsüchtig? Der Selbsttest

Die Symptome sind vielseitig und können sich schleichend ansammeln: Bloglines, technorati und Co. als Startseite, schwere psychische Beschwerden bei DSL-Ausfall, nervöse Übersprungshandlungen nach längerer Blogabstinenz, das Gefühl, eine Sache nicht wirklich erlebt zu haben, wenn sie nicht Stunden später Millionen (oder doch eher sieben?) potenziellen Lesern online mitgeteilt werden können. Die Diagnose: Blogsucht.

Ob man davon be- oder ihr anheim gefallen ist - und wie stark - kann man jetzt online (in einem ansonsten eher abschreckenden Dating-Blog) feststellen - mit Hilfe dieses Tests.

Eigentlich wollte ich nun auch das Bildchen mit meinem Testergebnis hier reinkleben, aber der Code scheint nicht zu funktionieren. Macht nix, bleibt es eben privat, wie sich das für Testergebnisse aller Art gehört.

Gefunden bei: Daily Blog Tips


Julia Ritter in • Kultur am 01. Juli 2007
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Frauen gehen durch Räume

Gestern endlich habe ich David Lynchs Evil

Inland Empire gesehen, der dafür, dass man eigentlich nicht so richtig durchblickt, was das alles soll, erstaunlich spannend war. Glücklicherweise hatte ich vorher nichts bis auf einen winzig kleinen, aber entscheidend wichtigen Interviewschnipsel darüber gelesen, in dem (zumindest in meiner Erinnerung) Lynch erklärt, dass er selbst seine Filme auch nicht so richtig verstehe. So fiel der Deutungsstress komplett weg und was blieb, war das Staunen und die folgenden Eindrücke:

- Laura Dern kann ihr Gesicht immer noch genau so verzerren wie vor über 20 Jahren in Blue Velvet.
- Lynch mag es, wenn Menschen - vorzugsweise Frauen - durch dunkle Räume gehen.
- So ungefähr eine Stunde in der Mitte hätte auch rausgeschnitten werden können.
- Nach Filmen, die wie (Alp)Träume sind, muss man besonders lange schlafen.
- Hollywood, auch Off-Hollywood, hat eine komplexe Beziehung zu Hasen:

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Inland Empire

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Donnie Darko

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Mein Freund Harvey


Mein Begleiter hat übrigens 10 Minuten vor Schluss, sozusagen auf der Zielgeraden, die Nerven verloren und den Kinosaal fluchtartig verlassen. Er empfing mich draußen vor dem Kino mit der Frage “und, wie ist es ausgegangen?”, die ringsum für Heiterkeit sorgte. So ein Film ist das.


Julia Ritter in • Kultur am 24. Juni 2007
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Doonesbury. Eine Liebeserklärung.

Im sympathischsten Comicladen der Stadt habe ich heute den aktuellsten Sammelband des US-Comics Doonesbury von Gary B. Trudeau gefunden. Doonesbury ist in Deutschland weitestgehend unbekannt, was angesichts der sehr amerikaspezifischen Inhalte zwar kein Wunder, aber trotzdem schade ist.

Der Strip erscheint seit mittlerweile 37 Jahren täglich in den meisten großen und einer Reihe kleinerer amerikanischer und britischer Zeitungen und ist aus verschiedenen Gründen einzigartig:

Doonesbury ist eine einzigartige Chronik der amerikanischen Zeitgeschichte seit 1968. Wer wissen will, was mit Watergate los war, oder beim Savings&Loans-Skandal, oder wie noch mal dieser babyblauäugige Vize von Bush senior hieß, oder was die anderen Amerikaner, die den Antiamerkanismus nicht verdient haben, so denken, der sollte Doonesbury lesen. Man muss sich nicht durch alle 37 Jahre arbeiten (bei einem Strip täglich mit Unterbrechungen ein Kolossalunterfangen) und man sollte etwas Geduld mitbringen, um sich einzufinden, aber es lohnt sich auf jeden Fall.
Die Hauptfiguren sind Angehörige der Baby Boomer-Generation, die im Laufe der Jahre altern, heiraten, sich scheiden lassen, arbeitslos werden, in den Krieg ziehen, etc. Das ist selten in Comics, es bringt die Endlichkeit ins Spiel, die in den sonst sehr statischen Settings außen vor bleibt. Und es erlaubt Trudeau, immer aktuell zu bleiben.

Trudeau ist kein großer Fan der Bushs. Vielleicht schätzt er sie als Realsatire und Materialquelle. Dem neuen Band, Heckuva Job, Bushie! ist wie vielen anderen auch ein Bush-Zitat vorangestellt, in diesem Falle:

“Our enemies are innovative and resourceful, and so are we. They never stop thinking about new ways to harm our country and our people, and neither do we.”

Das erklärt doch einiges.

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Die tägliche Dosis Doonesbury gibt es hier (sollte es jedenfalls! Gestern gings, heute nicht). Die Bücher beim Comicladen Ihres Vertrauens oder bei amazon.


Julia Ritter in • AlltagKulturMedien am 07. Juni 2007
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H&M loves Kylie - aber Topshop hat Kate Moss

Die neue H&M-Kampagne, die ja zurzeit unübersehbar und zum Beispiel auf dem Hamburger Hauptbahnhof auf riesengroßen Bannern zu bestaunen ist, wirft für mich einige Fragen auf:

1. Warum ist Australien “Sommertrend 2007” bei H&M? Ist denn jetzt nicht Winter in Australien?

2. Warum trägt Kylie Minogue also im Winter einen silbernen Badeanzug und Sonnenbrille? Ist das mit dem Ozonloch über Australien noch viel schlimmer, als wir alle glaubten?

3. Und schließlich: Was hat Kylie Minogue eigentlich mit den ganzen Klamotten zu tun? Anders als Madonna hat sie ja keine für H&M entworfen, sondern eher umgekehrt. Aber warum sollte ich bei H&M einen silbernen Strahlenschutzbadeanzug kaufen wollen, wenn der eigentlich für Kylie Minogue entworfen wurde?

Alles in allem kann ich nur sagen, dass die britische Modekette Topshop da der schwedischen Konkurrenz einiges voraus hat. Denn für Topshop hat Kate Moss eine Kollektion entworfen, die man auch woanders als am Strand tragen kann. Zu hoffen ist nur, dass dazu nicht eine so sonderbare und ausgesprochen kopflastige Figur nötig ist, wie sie Model Irina hat:

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Sieht bei Frau Moss selbst schon etwas augewogener aus:

Texte von Textferry.de

Und hier noch ein flottes Kleidchen aus der Moss-Kollektion:

Texte von Textferry.de


Julia Ritter in • AlltagKonsumKultur am 01. Juni 2007
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Sisters are doing it for themselves

Blut ist dicker als Wasser, aber selbst wenn das nicht so wäre, würde ich mir den Hinweis auf das ritter-blog nicht verkneifen. Demnächst auch in der Blogroll, aber jetzt muss ich erstmal los, ein Zugticket kaufen, damit ich meine liebste Schwester auch mal persönlich sehe (und wie gut, dass wir zwar Hanseatinnen sind, aber nicht aus Rostock stammen, da kommt man ja gar nicht mehr hin neuerdings).


Julia Ritter in • Kultur am 24. Mai 2007
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T-Shirts, die alles verraten

Eigentlich stehen mir die meisten T-Shirts nicht (unvorteilhaft geschnitten, zu enger Halsausschnitt) und T-Shirts mit Aufdruck sind ja auch etwas fragwürdig, aber (und hier musste ein aber kommen) dieses schön fiese Spoiler-Shirt geht mir nicht mehr aus dem Sinn. Denn erstens kann man sich ganz wunderbar wissend fühlen, wenn man alle poopkulturellen Bezüge richtig zuordnen kann und zweitens sorgt es vermutlich für mehr Gesprächsstoff als das flotteste Newcomer-Designerteil:

Texte von Textferry.de

Weniger graphisch ist diese Variante, die dafür mehr Erläuterungen mitliefert:

Texte von Textferry.de

Das erste gibt es hier, das zweite hier, die haben sogar noch eine weitere Version. Und gefunden hab ich das alles mal wieder hier.


Julia Ritter in • AlltagKonsumKultur am 23. Mai 2007
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