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Über Rohfassungen und Zeitverknappung

Es ist schon wieder sechs Wochen her, da hatte ich angekündigt, demnächst zu verraten, was ich alles Tolles bei meinem “National Novel Writing Month”-Abenteuer gelernt habe. Das ferryblog, in dem ich die erhellende Botschaft verkünden wollte, ist inzwischen von der Textfee geschluckt worden, aber irgendwann kommt die Zeit für alles und damit auch hierfür:

Was man lernt, wenn man jeden Tag 1.667 Wörter Prosa schreibt, einen Monat lang

Erstens und wichtigstens lernt man dies: Bei einer Rohfassung ist alles erlaubt. Holprige oder gar keine Übergänge, Handlungsstränge, die ins Leere führen, Dialoge, die sich im Kreis drehen, Figuren, die völlig unerwartet anfangen zu stottern (das erhöht den Wort-Output), Klischees, stilistische Fauxpas… alles. Natürlich will das niemand am Ende in einem fertigen Roman haben und erst recht will es niemand lesen, aber das ist für die Rohfassung völlig irrelevant. Wie die Initiatoren des NaNoWriMo so schön sagen: Die Rohfassung ist für den Schriftsteller das, was für den Bildhauer der Stein ist. Irgendwo sollte schon die gute Geschichte drin sein, aber man muss sie nicht gleich von außen sehen können.

Texte von Textferry.de
Sieht ja erstmal auch noch nicht so toll aus

Zweitens: Kaum etwas macht so produktv wie eine klare Deadline. Das ist zwar an sich keine überraschende Erkenntnis - die meisten Freelancer dürften es immer wieder erleben. Nur setzen sich die wenigsten Menschen selbst eine Deadline für ihre eigenen Projekte. Die werden stattdessen immer schön hintenan gestellt, alles andere hat Vorrang. Und es kommen immer neue vorrangige Dinge dazu und das eigene Projekt bleibt ewig ein Dorn im Gewissen und mehr nicht. Beim NaNoWriMo war die Deadline klar. Für die Überarbeitung meines Werks hab ich mir noch keine gesetzt und scheue auch noch davor zurück, aber zumindest weiß ich jetzt, welche Wunderwirkung ein einziger, öffentlich kommunizierter Termin haben kann.

Drittens: Wenn man nur genug schreibt, ist auch immer öfter was richtig Gutes dabei. Also nicht nur kleine, lustige Situationen, die anderen Leuten gefallen könnten, sondern vor allem Passagen, Ideen, Wendungen, mit denen ich mich identifizieren kann. Das passiert mir bei der Arbeit zwar auch manchmal, aber seien wir ehrlich: Meine innerste Wirklichkeit bilden Gebrauchstexte eher nicht ab. Wäre wohl auch nicht so zielgruppenrelevant.

Auf Dauer kann man (oder ich) nicht in dem Tempo weiter schreiben. Irgendwann kommt der Punkt, an dem es gut wäre, langsam von Quantität auf Qualität umzusteigen. Das ist dann aufwändiger und dauert länger. Aber wenn man keinen Text hat, an dem man arbeiten kann, dauert es ewig.


Julia Ritter in • ArbeitKreativitätKultur am 07. Februar 2008
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Popkultur mit Berlitz

Vor einiger Zeit gab es diesen wundervollen Berlitz-Spot mit dem deutschen Küstenwächter (“Vot are you zinking about?”). Jetzt schlägt Berlitz wieder zu - falls es wirklich Berlitz ist:

Was wohl Barbie dazu sagt?

Fundort: Adverblog


Julia Ritter in • KulturWerbung am 09. Januar 2008
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Blogkonsolidierung

Manchmal sind die Ambitionen größer als der unbedingte Leistungswille* und/oder die Kapazitäten. Dann eröffnet man (also ich) frohen Mutes zwei Blogs, mit zwei so schönen Header- und überhaupt Designs und schreibt dann doch nur unregelmäßig. Und nachdem die deutsche Wiedervereinigung nun volljährig und damit geschäftsfähig geworden ist, wächst jetzt auch hier zusammen, was zusammen gehört. Nämlich das ferryblog und das textfairy-Blog. Ersteres gibt es in der alten Form nicht mehr, alle Beiträge sind aber in letzteres eingeflossen und also genau hier zu finden. Deswegen gibt es auch plötzlich viel mehr Kategorien, die in Kürze (welch dehnbarer Begriff) ebenfalls überarbeitet werden.

Was ich daraus lerne:
- Bloggen ist aufwändig.
- Wenn man zwei Blogs mit jeweils unterschiedlichem Fokus hat, muss man das klar differenzieren. Das ist mir so wenig gelungen, dass ich teilweise selbst nicht wusste, welcher Beitrag besser wohin passt - nicht gut!
- Meine Blogmaster sind die besten.

Im neuen Jahr (ja! Das musste kommen!) geht es jetzt also weiter mit dem einen, einzigen, wunderschönen Vereinigungsblog. Diesem hier.

Texte von Textferry.de

* Kleine literarische Anekdote: Im Englischen nennt man sowas “biting off more than you can chew“. Über dem äußerst wortreichen Henry James sagte dagegen mal jemand “he chews more than he bites off.“ Sehr lustig.

Foto: iStockphoto


Julia Ritter in • ArbeitKultur am 05. Januar 2008
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Neues Genre: amazon-Kommentarprosa

Stifte und Schriftsteller verbindet auch im digitalen Zeitalter eine ebenso enge wie komplexe Beziehung. Der eine kann nicht ohne den anderen erschaffen. Einem der Klassiker unter den Stiften, dem Bic Crystal Kugelschreiber in schwarz, wurde nun in Form von Kundenempfehlungen auf amazon.co.uk die ihm gebührende Ehre erwiesen. Runterscrollen lohnt sich.

Texte von Textferry.de
Tor ins Reich der Finsternis oder Linguini-Spule?

Fundort: Seth Godin


Julia Ritter in • AlltagKonsumKultur am 12. Dezember 2007
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Japanisierung

Nein, hier geht es nicht um eine neue kulturimperialistische Bedrohung aus dem Land der irren Teenie-Moden, sondern um ein kurzweiliges Tool, mit dem man seinen Namen - genau! - japanisieren kann. Ich heiße dann Zudotakika. Da ich kein Japanisch kann, habe ich keine Ahnung, ob das völliger Blödsinn ist oder nicht. Aber lustig ist es.

Texte von Textferry.de

Fundort: Coolz0r


Julia Ritter in • Kultur am 09. Dezember 2007
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Ich shoppe, also bin ich - aber wer?

Jetzt geht es wieder ans Geschenkekaufen, falls man nicht kreativ (oder misanthropisch) genug ist, welche selbst zu basteln. Damit das Schenken leichter fällt und vielleicht sogar Spaß macht, haben die schlauen Leute von der ZIA für das Online-Shoppingportal (?) Shopping.com ein “Shoposkop” entwickelt, einen Geschenkefinder per Persönlichkeitstest. Und der bietet mehrere Vorteile:

1. Man hält vor einem Kauf ein wenig inne, um sich Gedanken über die zu beschenkende Person zu machen.
2. Man kann seiner eigenen Urteilslust freien Lauf lassen und alle die, denen man etwas schenken

muss

will, gnadenlos bewerten. Denn geben wir es doch mal zu: Der weihnachtliche Geschenkdruck kann enorme Aggressionen wecken.
2. Eventuell fällt einem dabei vielleicht auf, dass diese Person gar nicht so nett ist, wie man dachte. Dann spart man sich das Geschenk.

Texte von Textferry.de
Is it me?

Oder man macht den Test für sich selbst, was den Egozentrikern unter uns natürlich am meisten Spaß machen wird. Das hab ich jedenfalls sofort getan.

Meine Persönlichkeitsbeschreibung war sogar einigermaßen zutreffend, die sind ja immer so formuliert, dass sich jeder bestätigt und niemand auf den Schlips getreten fühlt. Leider ließen die vorgeschlagenen Geschenke etwas zu wünschen übrig. Immerhin: Es war eine Handtasche dabei, damit kann man mich eigentlich zu jeder Gelegenheit erfreuen, aber ob sie nun unbedingt gold-metallic sein muss, ist eine Frage, die ich noch nicht endgültig geklärt habe.


Julia Ritter in • KonsumKulturWerbung am 19. November 2007
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Schreiben, als ob es kein Morgen gäbe

Texte von Textferry.de

Ich hab’s getan. Ich hab mich beim National Novel Writing Month angemeldet und damit offiziell erklärt, dass ich in den kommenden 30 Tagen 50.000 Wörter schreiben werde, die zusammengenomen sowas wie einen Roman ergeben. Ich hab keine Ahnung, wie viel 50.000 Wörter sind, obwohl ich das aus beruflichen Gründen eigentlich wissen sollte, aber selbst die längste Longcopy bewegt sich doch in anderen Dimensionen.

Was ist der “National Novel Writing Month”?

Als ich zum ersten Mal vom NaNoWriMo gehört hatte, war ich schwerst beeindruckt von der Literaturbegeisterung der USA - ein ganzer Monat zum Nationalromanschreibemonat erklärt - und das jedes Jahr! Wow! Zu meiner Entschuldigung sei gesagt, dass es schließlich alle möglichen sonderbaren Gedenktage, -wochen und -monate in den Vereinigten Staaten gibt, von denen aber auch nur ein Bruchteil tatsächlich richtig offiziell zu sein scheint. Das nur als ein weiteres Beispiel dafür, dass die USA ein Land sind, dessen Sinn und Zweck von jedem einzelnen Bürger frei interpretierbar sind.

Texte von Textferry.de
Nicht ganz realitätsnah, aber pittoresker als mein Laptop

Zurück zum NaNoWriMo: Der wurde zum ersten Mal im Juli 1999 von einer Gruppe Kalifornier veranstaltet, die dachten, dass es erstens eine coole Sache sei, einen Roman zu schreiben, die zweitens zu mehr und besseren Dates führen könnte, aber drittens nicht das ganze Leben lang dauern sollte.

Also beschlossen sie, einen Monat lang zu schreiben, um danach einen Roman oder zumindest eine komplette Rohfassung zu haben. Nach und nach (und unterstützt durch Blogpromotion) wurde der NaNoWriMo immer bekannter, und aus der Handvoll Kalifornier sind inzwischen 90.000 Teilnehmer aus aller Welt geworden (das stimmt so natürlich nicht ganz, die Handvoll Kalifornier sind immer noch eine Handvoll Kalifornier, aber beim NaNoWriMo geht es unter anderem darum, schräge Metaphern und unsaubere Formulierungen zu tolerieren und einfach immer weiter zu schreiben).

Damit wären wir auch schon beim Grundprinzip des NaNoWriMo: Möglichst schnell möglichst viel schreiben. Ohne Überarbeitungen. Ohne Rechtschreibprüfung. Ohne Hemmungen.

50.000 Wörter in 30 Tagen. Das sind 1.667 Wörter am Tag. Na dann.


Julia Ritter in • AlltagKreativitätKultur am 31. Oktober 2007
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Was würde Jack Bauer dazu sagen?

Jetzt kann der Kampf gegen den Terror endlich richtig losgehen: Die CIA hat ein “Terrorist Buster”-Logo entwickelt, das dem der Ghostbusters erstaunlich ähnlich sieht. Man vergleiche selbst:

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Gegen Terroristen

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Gegen Geister

Fundort: Boing Boing


Julia Ritter in • Kultur am 25. Oktober 2007
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Das T-Shirt für die Digitale Bohème

Auf dem 9to5-Festival gab es ja noch diese putzigen T-Shirts zum Verschönernlassen (“Customizing”) und mit verschiedenen Sprüchen drauf, unter anderem “Lauf nach Hause, kleiner Hund”. Jetzt kann der kleine Hund, bzw. der Digitalbohèmien oder, wie mein Lieblings-Weltkommentator sagen würde, der Internetjüngling bzw. sein weibliches Gegenstück (dafür hat er mangels Verachtung leider keine schöne Bezeichnung) endlich mal das Hemd wechseln. Denn jetzt gibt es ein T-Shirt mit WLAN-Homing-Device, das Hemd, das WLAN-Netze erkennt und anzeigt. Damit man dazu nicht immer an sich selbst heruntergucken muss, als wäre man besorgt, sich mit Frühstücksei bekleckert zu haben, empfiehlt es sich, auch sämtliche Partner / Kollegen / Viertelmitbewohner mit solchen Hemden auszustatten, um so ein WLANanzeigefähiges Gegenüber zu haben. Im Bestfall erspart man sich dadurch das Selbsttragen, denn der klassische T-Shirt-Schnitt ist zumindest für Frauen wenig kleidsam.

Texte von Textferry.de

Die klugen Leute von Boing Boing Gadgets, wo ich das Funktionsshirt gefunden habe, wünschen sich fürs nächste Update eine Zusatzanzeige für offene Netze. Dem kann ich mich nur anschließen.


Julia Ritter in • AlltagKonsumKultur am 06. Oktober 2007
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Das Fähnlein Fieselschweif Handbuch fürs Internet

- so nannte der Rezensent von Isn’t Life Terrible (schöner Blogname) das Buch Rule the Web von Boing Boing-Gründer Mark Frauenfelder,  (bisher nur auf Englisch erschienen; ob und wann es eine deutsche Übersetzung geben wird, weiß ich nicht).

Texte von Textferry.de

Mich hat Rule the Web schon dadurch restlos überzeugt, dass ich jetzt weiß, wie ich die Filme von meinen DVDs in meinen iPod kriege (man beachte das Possessivpronomen - alles völlig legal) - eine sehr langwierige aber letztlich glücklich machende Angelegenheit. Das ist natürlich nur ein winzig kleines Kleinod aus dem riesigen Schatz an schönen Dingen, die man mit und im Internet so machen kann. Und da sich das stündlich ändert, gibt es Rule the Web nicht nur als Buch, sondern auch als Blog bzw. Podcast und Show.

Wer dann immer noch nicht genug hat, kann sich die überwältigende Linksammlung von Mashable zu Gemüte führen: 5000+ Resources to Do Just About Anything Online”.


Julia Ritter in • KulturMedien am 04. Oktober 2007
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