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Simpsons-Song auf der Doppelgitarre

Das hier wollte ich schon die ganze Zeit einbinden, wusste aber nicht, wie. Dank der besten (und geduldigsten) Websiteprogrammiererin und Datentraegerin aller Zeiten kann ich es nun, und da ich den Simpsons-Film mangels passender Begleitung und Zeit immer noch nicht gesehen habe, halte ich mich nun hiermit über Wasser:

P.S.: Dank der tollen Einbettung gibt es den grandiosen Dynamitwellen-Spot von Quicksilver jetzt auch direkt nebenan im ferryblog zu sehen.


Julia Ritter in • Kultur am 04. August 2007
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Das Werbe-Stoßmich-Ziehdich

Texte von Textferry.de
Stoßmich-Ziehdich (engl.: pushmi-pullyu), wunderbares Tier und finanzielles Rückgrat von Dr. Dolittle

Stoßmich (lieber nicht)

Es gibt Push-Werbung und Pull-Werbung. Push-Werbung ist die, die immer irgendwo auftaucht, sich aufdrängt, die nach immer neuen Möglichkeiten sucht, ins Blickfeld der Menschen (für die Push-Werbung: Verbraucher / Konsumenten / Käufer / Zielgruppen / Kontakte) zu kommen. Push-Anhänger sehen die Zukunft der Werbung in Mobilfon-Displays, in Online-Rollenspielen, in tausend neuen Bannern, auf Riesenplakatwänden und jeder bisher noch nicht genutzten realen (Schulen, Klos, vielleicht Friedhöfe?) oder virtuellen Fläche. Push-Werbung fragt nicht, ob sie stört, denn Push-Werbung ist pushy - aggressiv, aufdringlich, penetrant.

Die penetranteste Push-Werbeform im Internet (außer Spam, aber auch der gehört dazu, da beißt die Maus keinen Faden ab) sind Popups. Niemand mag Popups. Und trotzdem gibt es sie. Die penetranteste Push-Werbung außerhalb des Internets sind Callcenter-Anrufe. Die mag auch niemand. Und trotzdem gibt es sie. Warum? Weil sich wahrscheinlich sowohl über Popups als auch über Callcenter Geld verdienen lässt. Noch wahrscheinlicher aber lässt sich mit Popups und Callcentern Geld verdienen. Die, die Popups und Callcenter machen und betreiben, verdienen auf jeden Fall.

-Ziehdich (aber gerne)

Und es gibt Pull-Werbung. Die Idee bei Pull-Werbung ist, dass derjenige, der sich die Werbung ansieht oder durchliest, dies freiwillig tut. Weil sie lustig und unterhaltsam ist oder interessant und informativ. Zum Beispiel die vielen Spots, die zum Teil so gut sind, dass die Leute sie amüsiert bis begeistert weiterverbreiten (dann sind sie irgendwann viral. Die Spots, nicht die Leute). Oder Webseiten, die echte Informationen bieten, Informationen, in die nicht überall und an jeder Ecke auf Biegen und Brechen das Produkt eingestreut ist. Sondern Informationen, die die Leute interessieren, nach denen sie sogar suchen.

Das zentrale Element bei Pull-Werbung ist, dass die Leute das, was ich da anbiete (Information / Unterhaltung / was auch immer) wollen müssen. Das klingt ganz einfach, bedeutet aber, dass sich der gesamte Schwerpunkt der Werbung total verschiebt:

Was meine Zielgruppe interessiert, ist jetzt nicht mehr nur deshalb wichtig, weil ich ein nettes Setting für meine Werbeidee brauche. Im Idealfall sollte ich - wenn es zu mir und meinem Produkt passt - selbst einiges über die Interessengebiete lernen. Und mein Wissen teilen, ohne jedesmal zwanghaft den goldenen Bogen zu meinem Produkt zu schlagen, denn das nervt die Zielgruppe und dann ist sie weg.

Die Konkurrenzanalyse erhält ebenfalls neue Dimensionen. Angenommen, ich möchte eine interessante Website für mein Produkt machen, eine, auf der es ständig aktualisierte Produkttipps und Troubleshootings gibt, vollständige Handbücher, weitere Informationen zum Produktanwendungsbereich (z.B. ein Fototutorial auf einer Seite für Kameras oder ein Hundekrankheiten-Lexikon auf einer Seite für Hundefutter). Dann ist es nicht mehr nur wichtig, was für ein Produkt die Konkurrenz hat und wie sie es vermarktet, sondern auch, was für eine Website sie haben und was da alles drin ist etc. Die Werbung wird selbst zum Produkt.

Für diese Art der Werbung braucht man einen langen Atem. Virale Spots können schnell eine große Wirkung bei den affinen Zielgruppen haben, aber wenn man sich als Experte auf einem Gebiet etablieren will, braucht man Zeit und Energie, man muss vielleicht sogar mit den Kunden, die jetzt plötzlich auch zu Lesern geworden sind, kommunizieren. Der Vorteil: Man schafft echte Kundenbindung, baut ein authentisches Image auf und findet im Bestfall heraus, was die Leute wirklich haben wollen. Damit spart man die investierte Zeit und Energie zumindest teilweise dadurch ein, dass man nicht irgendwelche komplett schwachsinnigen Produkte entwickelt, die man dann nach einem halben Jahr wieder vom Markt nimmt.

Witzig eigentlich, dass in unserer angeblich immer schnelllebigeren Zeit vielleicht tatsächlich die langfristigeren Strategien die besseren sein könnten. Ich glaube das jedenfalls. Und auch der Werbeblogger glaubt an die Pull-Werbung:

Push ist ganz klar state-of-the-art. Pull ist die neue Philosophie, die - und da bin ich mir sicher - in 10-20 Jahren weitgehend das alte Modell des “vonobenherab” Marketings ablösen wird. Warum? Weil wir letztendlich ALLE auch Konsumenten sind. Wir haben ALLE Bedürfnisse. Wenn wir merken, dass es neue Angebote gibt, neue Instrumente, die es uns ermöglichen, diese Bedürfnisse besser zu befriedigen, so werden wir sie häufiger und stärker benutzen.

Letztendlich ist Pull einfach deshalb besser, weil man in einigermaßen freien Gesellschaften und bei immer mehr Angeboten keine Aufmerksamkeit erzwingen kann. Im Internet sowieso nicht, da sind die Leute schneller weg, als man “Klick” sagen kann. Aber auch sonst nicht. Die Push-Werbung kann versuchen, alles zu besetzen und allgegenwärtig zu werden, aber das wird nur dazu führen, dass man sie ganz ausblendet. Man kann die Menschen auf Dauer nicht zwingen. Und es lässt sich auch keiner gerne zwingen. Aber viele lassen sich gerne betören, verführen, begeistern und unterhalten.

Und im Gegensatz zur Werbung ist das Stoßmich-Ziehdich natürlich an beiden Enden gleichermaßen schön (Foto: Llama Stories)


Julia Ritter in am 04. August 2007
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